In Marokko kann nicht jeder und jede über die eigene Sexualität frei bestimmen. Teils herrschen rigide Gesetze, die die persönlichen Freiheiten einschränken. Auch wenn sich seit dem Arabischen Frühling schon einiges verändert hat. Die "Moroccan Outlaws" wollen, dass der Wandel weitergeht. Wie? Das weiß Dunja Sadaqi, ARD-Korrespondentin für Marokko.

Als die marokkanische Journalistin Hajar Raissouni im August 2019 die Praxis ihres Frauenarztes verlässt, wird sie verhaftet. Der Vorwurf lautet: Sie soll "illegal" abgetrieben und eine außereheliche Beziehung geführt haben. Es kommt zur Anklage und die Journalistin wird zu einem Jahr Haft verurteilt. Sie wird später begnadigt.

Ihr Fall sorgt in Marokko für Empörung und extrem viele Diskussionen, so Dunja Sadaqi, ARD-Korrespondentin für Marokko. (Das Aufmacherfoto zeigt eine der Protestveranstaltungen im Oktober 2019.) Debattiert wird über die Pressefreiheit, denn Hajar Raissouni arbeitet für eine der wenigen unabhängigen Zeitungen im Land. Aber ebenso geht es um die Persönlichkeitsrechte. Als Reaktion gründen Journalisten und Journalistinnen die Gruppe "Moroccan Outlaws". Sie wollen dafür sorgen, dass der Staat aufhört "in den Schlafzimmern und über den Körper von Frauen" zu bestimmen, so Dunja Sadaqi.

Schutz der Persönlichkeitsrechte

Die "Moroccan Outlaws" rufen in den Sozialen Medien dazu auf, dass andere "Gesetzlose" ihre Geschichten teilen. "Und das machen sie zu tausenden", sagt Dunja Sadaqi. Online berichten Menschen von Parties, auf den unverheiratete junge Männer und Frauen feiern – und auf einmal kommt die Polizei. Viele erzählen auch von Gewalt in der Familie, wenn sie sich gegen die Moralvorstellungen der Eltern auflehnen. Aber auch Gewalt durch die Polizei ist ein Thema. Auch von sexualisierter Gewalt wird berichtet.

Auf Instagram finden sich unter #moroccanoutlaws Erzählungen.

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Zum einen hat sich im Land seit dem Arabischen Frühling bezüglich der Gesetzgebung extrem viel verändert, so Dunja Sadaqi. Es gibt zum Beispiel eine neue Verfassung, die Gleichberechtigung vorschreibt. "Wir haben ein Gesetz, das Frauen vor Gewalt schützen soll", sagt Dunja Sadaqi. Doch die Realität sieht anders aus. Die "Moroccan Outlaws" fordern deshalb, dass die Gesetze weiter geändert werden müssen. Diese sind extrem rigide, was vorehelichen Sex oder Schwangerschaftsabbrüche angeht.

"Per Strafgesetz werden viele individuelle Freiheiten eingeschränkt."
Dunja Sadaqi, ARD-Korrespondentin für Marokko

Das gesellschaftliche Leben in Marokko habe sich verändert, so Dunja Sadaqi. Doch für unverheiratete Paare ist es weiterhin kaum möglich, intim zu werden. Ein Hotel zu mieten, kann eine Anzeige wegen Prostitution bedeuten. Zärtlichkeiten in der Öffentlichkeit auszutauschen, geht auch nicht, weil es dann Ärger mit der Polizei geben kann.

Der Wandel muss weitergehen

Vieles passiert deshalb im Verborgenen. Dazu gehören auch Abtreibungen. In Marokko ist es quasi unmöglich, legal abzutreiben, auch nicht nach einer Vergewaltigung.

"Die Konsequenz ist, dass es hunderte illegale Abtreibungen gibt, die gefährlich sind. Und Frauen sterben."
Dunja Sadaqi, ARD-Korrespondentin für Marokko

Doch Dunja Sadaqi sieht einen gesellschaftlichen Wandel. Die Situation verändere sich, auch weil der soziale Druck wachse. "Es wird sich was verändern. Das tut es auch schon", sagt sie.