Manche sagen, die Maske verdirbt das Geschäft. Trotzdem bleibt sie beim Shopping Pflicht - und zwar überall in Deutschland. Unser Reporter über die Vorteile einer ungemütlichen Maßnahme.

Marlies Binder ist Inhaberin einer kleinen Ladenkette in Köln, den "Green Guerillas". Sie verkauft fair produzierte Mode in drei Geschäften in der Innenstadt. Sie und ihre Mitarbeiter sind mittlerweile enorm routiniert, wenn es um das Tragen eines Behelfsmundschutzes geht - auch wenn es manchmal stört.

"Klar ist das unangenehm, den ganzen Tag selber im Verkauf, mit Maske. Wenn viel los ist, hat man die auch mal acht, achteinhalb Stunden auf."
Marlies Binder, Ladeninhaberin

Nur wenn es ruhiger läuft, nimmt sie ihre Alltagsmaske ab. Und noch sind es mehr ruhige Tage, als ihr lieb ist. Auch bei Marlies Binder läuft das Geschäft noch nicht so gut wie vor der Coronakrise.

Liegt das auch an den Masken? Ja, meint zumindest Boris Hedde vom Institut für Handelsforschung aus Köln: "Die Maske ist eine psychologische und physische Barriere beim Einkauf", sagt er.

"Wenn wir Konsumenten befragen, und das haben wir, sagt uns mehr als jeder zweite, wenn wir jetzt keine Maske mehr tragen müssten, würde das die Kauflust enorm steigern."
Boris Hedde, Institut für Handelsforschung Köln

Boris Hedde fände Lockerungen der Maskenpflicht in einzelnen Bundesländern gut. Doch die sind vorerst nicht in Sicht: Die Gesundheitsmininister der Länder entschieden am Montag (6.7.): Beim Einkaufen bleibt die Maske auf - und zwar überall in Deutschland.

Dennoch: Offenbar empfinden viele Menschen die Maske als störend. Das meint auch Nikil Mukerji, Risikoethiker an der LMU München: "Also ich kann mir vorstellen, dass die Maske viele Menschen mittlerweile nervt und auch einen negativen Effekt auf den Umsatz im Einzelhandel hat."

Maske ist kleineres Übel - auch wirtschaftlich

Trotzdem würde Nikil Mukerji an der Maskenpflicht nicht rütteln. Denn für ihn steht sie nicht im Gegensatz zu wirtschaftlichen Interessen. "Die Maskenpflicht ist eine sehr unkomplizierte und sehr kostengünstige Maßnahme, um die Ausbreitung von Covid-19 einzudämmen", meint er. Eine neue Welle, ein neuer Shutdown - das wäre für die Wirtschaft noch viel schädlicher.

"Eine Abschaffung der Maskenpflicht wäre längerfristig verbunden mit der Einführung von Maßnahmen die teurer und im Vergleich weniger nützlich wären."
Nikil Mukerji, Risikoethiker an der LMU München

Tatsächlich legen neuere Studien nahe, dass auch Stoffmasken wirksam sind gegen die Verbreitung des Virus.

Und so sieht es auch Ladenbesitzerin Marlies Binder aus Köln. Die Masken hätten weit mehr Vorteile als Nachteile, sagt sie - und man müsse mit diesem "kleineren Übel" momentan einfach zurecht kommen.