Angenehm ist es nicht, einen Mund-Nasen-Schutz im Alltag zu tragen. Die gute Nachricht: Es lohnt sich! Zwei neue Studien bestätigen, dass das Maskentragen einen wichtigen Beitrag zum Eindämmen der Pandemie leisten kann.

Viel und lange wurde darüber diskutiert, ob das Tragen von Alltagsmasken überhaupt etwas bringt, um sich oder andere vor dem neuartigen Corona-Virus zu schützen. Jetzt haben zwei Studien aus China und den USA Belege dafür erbracht, dass das Tragen einer Alltagsmaske in der Tat helfen kann, das Virus langsamer zu verbreiten – sogar in den eigenen vier Wänden.

Alltagsmasken zuhause tragen hilft

Die Studie eines Forschungsteams um Yu Wang vom Beijing Center for Disease Prevention and Control hat untersucht, inwiefern das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes in der eigenen Familie helfen kann.

In China wohnen häufig mehrere Generationen eng zusammen unter einem Dach – und das entsprechend dann auch in Isolations- oder Quarantänezeiten. Gerade dort, wo man auf engstem Raum miteinander spreche, sich umarme oder die gleiche Toilette benutze, sei das Risiko einer Ansteckung besonders hoch, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Anne Tepper.

"Da, wo Menschen enger zusammenleben, miteinander sprechen, sich umarmen, die gleichen Toilette benutzen, da ist es natürlich auch wahrscheinlicher, dass sie sich gegenseitig anstecken."
Anne Tepper, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Über eine Befragung Anfang März haben die Forschenden herausgefunden, dass das Risiko, sich innerhalb der Familie anzustecken, bei 25 Prozent lag: Wenn jemand in einer der untersuchten Familien erkrankte, dann infizierte sich in jeder vierten der betroffenen Familien eine weitere Person. Vor allem enger Kontakt oder Durchfall eines der Familienmitglieder erhöhte das Risiko.

Präventives Tragen ist am wirkungsvollsten

Durch das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes sei das Risiko, sich innerhalb der Familie mit Sars-CoV-2 anzustecken, um fast 80 Prozent geringer gewesen. Hier half laut der Untersuchung vor allem das vorsorgliche Tragen von Masken. Die Studie zeigte nämlich auch, dass die Masken innerhalb der Familien vor allem dann etwas brachten, wenn sie getragen wurden, bevor das erste Mitglied Symptome zeigte, erzählt Anne Tepper.

Das passt auch zu den neusten Erkenntnissen, die aufzeigen, dass Infizierte vor allem zwei Tage vor dem Auftreten der Symptome am ansteckendsten sind.

Aerosole können bis zu zwölf Stunden in der Luft bleiben

Kimberly A. Prather von der University of California San Diego fand mit ihrem Team durch die Analyse mehrerer Studien heraus, dass uns Alltagsmasken beim Ein- und Ausatmen vor allem durch ihre Filterfunktion vor Aerosolen schützen können.

"Masken können helfen, die Viren beim Aus- oder Einatmen zu filtern, sodass weniger Aerosole in die Luft kommen."
Anne Tepper, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Aerosole sind winzige Tröpfchen, die wir beim Atmen oder Sprechen ausstoßen. Danach können die sehr leichten Tröpfchen relativ lange Strecken in der Luft zurücklegen und bis zu zwölf Stunden in der Luft bleiben. Zum Vergleich: Größere Tröpfchen, die wir beispielsweise ausniesen, fallen nach etwa vier bis fünf Sekunden bereits zu Boden. Für uns bedeutet das, dass wir nach vielen Stunden immer noch die Aerosole von infizierten Personen einatmen könnten.

Schon einfache Stoffmasken helfen

In ihrer Studie zitieren die Forschenden eine weitere Studie, die sagt, dass bereits grobe Stoffmasken einen Teil der Aerosole aufhalten könnten.

Als weiteres Argument pro Mund-Nasen-Schutz führen die Forschenden an, dass in Ländern wie Taiwan, Singapur oder Südkorea, die bereits sehr früh eine Maskenpflicht eingeführt hatten, die Infektionszahlen relativ niedrig blieben, erläutert Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Anne Tepper.

1,5 Meter Abstand schützt nicht vor Aerosolen

Mit diesen Erkenntnissen sei auch die 1,5 bis zwei Meter Abstands-Regelung für die Forschenden hinfällig. Diese fänden sie seit langem schon veraltet, da sie aus den 1930er Jahren stamme – damals konnte man noch nicht mal Aerosole nachweisen. Aber auch wenn die Forschung heute weiter ist als damals – alles weiß man leider immer noch nicht über Aerosole und Viren, sagt Anne Tepper.