Forschende aus Hawaii haben festgestellt, dass auch Weichtiere vom aktuellen Massenaussterben betroffen sind. Nur leider interessieren sich Menschen zum Beispiel weniger für Schnecken. Wir haben mit der Biologin und Podcasterin Jasmin Schreiber gesprochen. Sie erklärt, warum Schnecken wichtig – und auch faszinierend – sind.

Jasmin Schreiber findet die Steppen-Schnecke extrem spannend. Denn die lebt in den Wüsten rund um Israel und kann Temperaturen von 70 Grad ertragen. Die Steppen-Schnecke hält es auch mehrere Jahre ohne Essen und Trinken aus. "Und es finde ich einfach unglaublich faszinierend, weil eine Schnecke ist eigentlich eher so ein Tier, das es lieber feucht mag", sagt Jasmin.

"Ich finde Schnecken unglaublich faszinierend. Schon seit der Kindheit, weil man an diesen Tieren einfach so klein eine ganze Welt beobachten kann."
Jasmin Schreiber, Biologin und Podcasterin

Auch wenn Gärtnerinnen und Hobbygärtner Schnecken nicht besonders mögen – vor allem dann nicht, wenn sie Salat und Blumen anfressen – die Weichtiere sind wichtig, erklärt Jasmin: “Wenn da irgendwas gestorben ist, kommen die und kümmern sich darum, dass das abgebaut wird."

"Ich finde, die haben so eine langsame Art, sich zu bewegen – so gemächlich. Und wenn man die beobachtet, dann entschleunigt man total."
Jasmin Schreiber, Biologin und Podcasterin

Jasmin Schreiber hält viele Tiere bei sich zu Hause, darunter auch Schnecken mit dem lateinischen Namen Achatina, Achatina: Riesenschnecken, die so lang wie ein Unterarm werden können. "Die haben so Häuschen, da können die sich einkapseln und eine Kalkschicht vorne zumachen. Und wenn nicht genug Essen und Trinken da ist, dann warten die einfach ab", erklärt die Biologin.

"Ich finde, es gibt wenig rührendere Sachen, als wenn sich so eine Schnecke quasi mit dem Auge mit diesen Fühlern irgendwo stößt und sie dann ganz schnell wieder einzieht."
Jasmin Schreiber, Biologin und Podcasterin

Forschende schlagen in einer neuen Studie nun Alarm, dass auch Weichtiere – wie Muscheln und Schnecken – vom Aussterben bedroht sind. Und das hat Folgen, erklärt Jasmin, weil die kleinen Tiere für das jeweilige Ökosystem, in dem sie leben, eine wichtige Rolle spielen. Auf Hawaii etwa gebe es ein unglaublich breites Spektrum an verschiedenen Schneckenarten, die dort die gleiche Rolle wie Regenwürmer bei uns übernehmen. "Die sind da so ein bisschen die Bodenpolizei", erklärt sie.

Weichtiere generell sind wichtige Ankerpunkte in den Ökosystemen. Einerseits, weil sie selber abgestorbene Pflanzen wegfressen, damit andere Tiere und Pflanzen besser gedeihen können. Aber sie sind auch selber Beute. Für viele verschiedene Vogelarten, für Maulwürfe oder für Igel sind sie eine wichtige Nahrungsquelle.

Baumschnecke George – der letzte seiner Art

Der 01.01.2019 war für die Schneckenwelt ein einschneidendes Datum, erklärt Jasmin, an diesem Tag ist die Schnecke George gestorben – eine Baumschnecke auf Hawaii. "Es war der letzte Vertreter der Art Achatinella apexfulva und die Wissenschaftler*innen hatten den Jahrzehnte vorher gefunden und haben jahrelang versucht, einen Paarungspartner für ihn zu finden." Das hat jedoch nicht geklappt und so ist George unter den Augen der Forschenden ausgestorben.

Externer Inhalt

Hier geht es zu einem externen Inhalt eines Anbieters wie Twitter, Facebook, Instagram o.ä. Wenn Ihr diesen Inhalt ladet, werden personenbezogene Daten an diese Plattform und eventuell weitere Dritte übertragen. Mehr Informationen findet Ihr in unseren  Datenschutzbestimmungen.

Insgesamt sind viele Weichtiere vom Aussterben bedroht. An Land, weil immer mehr Flächen bebaut und versiegelt werden. Für jedes Gebäude, jeden Parkplatz, jede Straße, müssen Flächen weichen, die vorher vielleicht noch irgendwie der Natur gehörten – und auf denen auch Weichtiere lebten. "Wasser-Weichtiere, haben sehr viele Probleme mit der Meeresverschmutzung oder auch generell mit der Gewässerverschmutzung und mit Staudämmen, die gebaut werden", sagt die Biologin und Podcasterin.

"In den USA sind mittlerweile 70 Prozent der Weichtiere vom Aussterben bedroht oder schon ausgestorben - zwischen heute und den 70er-Jahren. Wenn da Staudämme gebaut werden, gibt es viele Weichtiere wie Muscheln, die fließendes Wasser brauchen und dann wirklich reihenweise aussterben."
Jasmin Schreiber, Biologin und Podcasterin

Jasmin hat auch Vorschläge, was wir machen können, damit es Weichtieren und der Natur in unserem Umfeld etwas besser geht: Sollten wir einen Garten haben, wäre es wichtig, kleineren Tieren – wie Igeln, aber auch Weichtieren mehr Raum zu geben. "Also eben nicht jeden Reisighaufen wegräumen und kein Schneckenkorn ausstreuen“, sagt die Biologin.