In Berlin ist nicht mehr viel übrig von der Mauer. Das meiste wurde 1990 abgebrochen. Die Gedenkstätte Bernauer Straße zeigt heute die Geschichte des Mauerbaus, der geteilten Stadt und die Zeit nach dem Fall der Mauer. Das "Schandmal" sollte nach dem Mauerfall so schnell wie möglich aus dem Stadtbild verschwinden, erklärt Anna Kaminski von Bundesstiftung Aufarbeitung.

Heute bedauert Anna Kaminski, dass nicht an einigen Stellen stellvertretend und punktuell, um einen Einblick in dieses mörderische Grenzregime zu ermöglichen, Mauerteile erhalten wurden. Denn mit den heutigen Gedenkstätten könne die Dimension des Bauwerks kaum mehr vermittelt werden.

Mauerfundstücke in 70 Ländern

Im Innenstadtbereich ist im Boden eine doppelreihige Pflastersteinreihe mit einem Metallplättchen eingelassen, auf dem steht Berliner Mauer 13. August 1961 bis 9. November 1989. Darüber hinaus gibt es nur wenig Anhaltspunkte im Stadtbild, wo die Mauer war. Nach Recherchen von Anna Kaminski wurden Mauerbruchstücke in die ganze Welt zerstreut. Bislang konnte sie Mauerfundstücke in 70 Ländern und an über 140 Orten lokalisieren und dokumentieren.

"Das ist ein sehr schönes Symbol, dafür, dass die Botschaft des Mauerfalls, die eine sehr gute Botschaft ist, von Freiheitswillen, von Mut, von Zivilcourage und auch von Überwindung der Angst, dass diese Botschaft durch die Mauerdenkmäler in alle Welt gewandert ist."
Anna Kaminski, Bundesstiftung Aufarbeitung

Es gäbe weltweit sehr ungewöhnliche Orte, an denen die Mauerbruchstücke auftauchen. Teilweise sei es auch sehr ungewöhnlich wie sie in die lokalen Kontexte integriert worden sind, erklärt Anna Kaminski. Beispielsweise wurde ein Mauerbruchstück in ein Denkmal für die Opfer des Kommunismus in der albanischen Hauptstadt Tirana als Symbol der Hoffnung eingebaut.

Begehrte Sammlerobjekte

Schon in der Nacht des Mauerfalls wurden Bruchstücke zu begehrten Sammlerobjekten. Die ersten Anfragen kamen aus Bayern und Großbritannien, erklärt Anna Kaminski. Daraus habe sich relativ schnell ein reger Handel mit den Mauerbruchstücken entwickelt. Politiker und Unternehmen haben aber auch Mauerteile als Geschenke an befreundete Regierungen und Geschäftspartner vermittelt.

Mauerreste zur Rettung der DDR-Finanzen

Bereits 1990 wurde aber festgelegt, dass keine Mauerteile verkauft werden sollen, an denen es Tote gegeben hat. Insgesamt 150 Kilometer lang war die Mauer. Allein im Innenstadtbereich war sie 44 Kilometer lang. Auf der einen Seite stand die Vorderlandmauer mit dem größten Symbolgehalt, da sie von der Westseite aus sichtbar war und bemalt wurde. Auf der anderen Seite stand die Hinterlandmauer, die vom Ostteil aus zu sehen war als "graues Ungetüm", berichtet Anna Kaminski. Die Mauer insgesamt war viele zu groß, um sie komplett unter Denkmalschutz zu stellen. Außerdem war die DDR-Regierung damals froh, sagt Anna Kaminski, die maroden Finanzen mit dem Verkauf von Mauerteilen zu sanieren.

"Die finanziellen Erwartungen, die man an den Mauerverkauf gehabt hat, die haben sich natürlich nicht erfüllt."
Anna Kaminski, Bundesstiftung Aufarbeitung

Ob ein Mauerstück, das zum Verkauf steht, heute echt ist oder nicht, kann man selbst kaum überprüfen, sagt Anna Kaminski. Für Mauerteile, die 1990 gesichert wurden, gibt es Zertifikate. Die Technische Universität Berlin stellt auch heute noch Zertifikate für Mauerteile aus.

"Für diese kleinen Mauerbröckchen, die man als Souvenir kaufen kann, da dürfte der Nachweis relativ schwer fallen, dass das tatsächlich Brocken aus der originalen Berliner Mauer sind."
Anna Kaminski, Bundesstiftung Aufarbeitung

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