Am Wochenende haben die Bundesliga-Vereine wieder gespielt – ohne Zuschauer. Es gibt ein Infektionsschutz-Konzept, trotzdem hält Max-Jacob Ost vom Podcast "Rasenfunk" den Start für verfrüht.

Max-Jacob Ost im Gespräch mit Deutschlandfunk-Nova-Moderator Till Haase.

Till Haase: Max, du warst im Vorfeld kritisch. Wie siehst du das jetzt, nachdem der erste Spieltag gelaufen ist?

Max-Jacob Ost: Grundsätzlich hat sich an meiner Haltung nichts geändert, aber dass irgendwann wieder gespielt werden muss, war klar. Ansonsten kann man für 2020 auch gleich den Spielbetrieb einstellen. Welches bessere Argument fürs Spielen soll es in drei Monaten geben?

Ich finde nur, dass die Art und Weise problematisch ist, wie die Bundesliga das jetzt durchgedrückt hat und vor allem, wie schnell das gehen musste, obwohl man viele Dinge nicht weiß inklusive der möglichen Gefahren für die eigenen Spieler und wie sich das Virus auf Leistungssportler auswirkt. Die Spieler sind jetzt ein bisschen die Versuchskaninchen. Das hat gezeigt, wie hoch der monetäre Druck heutzutage auf den Fußball ist. Ich hoffe, dass das gut geht.

Till: Das heißt, du hättest dir noch ein bisschen mehr Zeit gewünscht?

Max: In einer idealen Welt hätte man auf weitere medizinische Erkenntnisse speziell bezogen auf Corona und Leistungssport gewartet, was zugegebenermaßen schwierig ist.

Die Mehrheit der Deutschen steht dem Bundesliga-Start ja auch kritisch gegenüber. Zum ersten Mal ist der Fußball nicht das liebste Kind der Deutschen. Ich habe das Gefühl, dass man zwei, drei Wochen zu früh dran ist, der Start sendet einfach das falsche Signal. Es wirkt ein bisschen aus der Zeit gefallen, da er nicht zum Alltag der Menschen passt.

Till: Einige Protagonisten der Bundesliga scheinen den Ernst der Lage ja nicht ganz verinnerlicht haben. Hat sich dieser Eindruck am Wochenende für dich bestätigt?

Max: Ich glaube, das Wochenende war sehr gut für die Bundesliga. Im Großen und Ganzen ist das Hygienekonzept ein gutes. Den Ernst der Lage haben eigentlich auch alle Beteiligten begriffen. Es ist vielleicht so wie mit den Leuten, die gerade auf die Straße gehen und demonstrieren. Die sieht man. Die vielen anderen, die zuhause bleiben, sieht man nicht.

Till: Hast du insgesamt das Gefühl, dass sich die Fans in Deutschland von der Bundesliga entfernt haben?

Max: Ein Teil der Fans auf jeden Fall. Ob die zurückkommen, kann ich nicht sagen. Aber allein die Ultras fühlen sich nicht richtig behandelt, auch viele andere Fans, die ja von einigen Entscheidungsträgern in die Ecke dumpfer Hooligans gestellt wurden. Wo waren eigentlich die befürchteten Fan-Aufläufe vor den Stadien?

Ich kenne viele Fans, die sich jetzt vom Fußball abwenden. Und ganz ehrlich: Wenn ich nicht beruflich damit zu tun hätte, hätte ich mir am Wochenende auch kein Spiel angeguckt. Viele Menschen haben andere Probleme und gerade anderes zu tun als Fußball zu gucken.

Till: Gehst du von einem Gewöhnungseffekt aus? Dass wir in drei Monaten sagen: Es ist doch eigentlich nichts gewesen?

Max: Ich glaube, es wird ein Gewöhnungseffekt geben, ja. Aber nicht den, den die Liga sich wünscht. Der Gewöhnungseffekt wird sein, dass die Leute relativ schnell merken, dass Fußball ohne Fans am Fernseher echt nicht bockt. Und dann werden die Einschaltquoten zurückgehen. Die Liga wird ihren Spielbetrieb durchführen, aber es wird viel mehr Leuten egal sein als aktuell.