In der Regel bilden Studien Fakten ab, die wissenschaftlich relevant sind. Zuletzt veröffentlichte eine medizinische Fachzeitschrift eine Analyse von Medizinern, die private Fotos von Ärztinnen und Ärzten im Bikini oder einem Bier in der Hand als unprofessionell anprangert.

Das Journal of Vascular Surgery ist eine Fachzeitschrift für Gefäßchirurginnen und Gefäßchirurgen. Die Fachzeitschrift publiziert zum Beispiel die neusten Forschungsergebnisse und Studien aus der Gefäßchirurgie. Unter Forschenden gilt sie als seriös – eigentlich.

Im Dezember 2019 hat das Journal of Vascular Surgery eine Studie von Forschenden der Boston University School of Medicine in ihrem gedruckten Magazin veröffentlicht, die aktuell stark im Netz diskutiert wird.

Der Grund: Für ihre Studie haben die Forschenden die privaten Social-Media-Accounts von 480 angehenden Gefäßchirurginnen und Gefäßchirurgen zwischen 2016 und 2018 auf Inhalte analysiert, die ihrer Ansicht nach unprofessionell erscheinen. Patientinnen und Patienten könnte deshalb das Vertrauen in das medizinische Personal oder Kliniken verlieren, so die Autoren der Studie.

Vorwurf: wenig objektiv und sexistisch

Als unprofessionell kategorisieren sie beispielsweise Posts mit Fotos, auf denen die Medizinerinnen und Mediziner in Bikinis oder anderer Badekleidung, Unterwäsche oder "provokativen" Halloween-Kostümen zu sehen sind. "Das Kriterium 'provokante Bademode' ist dabei ziemlich einseitig in Richtung Frauen definiert", erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Michael Gessat. Als unangemessen betrachten die Verfasser der Studie weiter auch Texte oder Fotos, bei denen es etwa um alkoholische Getränke geht.

"Insofern ist die Studie – meines Erachtens zurecht – auch als sexistisch wahrgenommen worden."
Michael Gessat, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Die Veröffentlichung der Studie, an der sechs Männer und eine Frau beteiligt waren, ist zunächst in Vergessenheit geraten. Erst Monate später kommt es zu einer Welle der Kritik. Der Vorwurf: Die Studie ist wenig objektiv und sexistisch.

Es stellt sich beispielsweise die Frage, an welchen Kriterien die Studienautoren unprofessionelles Verhalten im privaten Kontext festmachen. Und auch, inwiefern das Privatleben von Medizinerinnen und Medizinern wissenschaftlich relevant ist.

Mit #Medbikini zum Trotz

Als Protest betonen Ärztinnen und Ärzte unter #Medbikini ihre Selbstbestimmtheit und verdeutlichen, wie die Studie in ihre Privatsphäre eingreift. Vielmehr zeigen sie, dass ihre Kompetenz als Mediziner weder durch die Wahl ihrer privaten Kleidung abgewertet werden könne noch in einem Zusammenhang stehen sollte.

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Studie zurückgezogen

Die Herausgeber der Fachzeitschrift und zwei der Studienautoren haben sich mittlerweile auf Twitter für ihre Untersuchung entschuldigt. Zudem haben sie angekündigt, die Studie zurückzuziehen.