Nach jahrelanger sexueller Enthaltung zeigt das Fernsehen wieder "ordentliche Inhalte zu sexuellen Themen" als Gegengewicht zur Porno-Fülle im Netz.

Mehr Sex im Fernsehen, das ist das Fazit des Programmberichts der Medienanstalten. 2014 seien mehrere Fernsehformate an den Start gegangen, deren Inhalte Sexualität und Intimität sind. Der Bericht bezieht sich auf Margreth Lünenborgs Studie "Skandalisierung im Fernsehen", die für Reality-TV-Formate zu dem Schluss kommt, dass "Darstellungen sexueller Handlungen, Sexualisierungen und Nacktheit in Castingshows und Reality-Soaps instrumentalisiert und als Aufmerksamkeitsstrategien eingesetzt werden."

Sex als Sensation

Ein plakatives Beispiel ist die RTL-Datingshow "Adam und Eva", in der Kandidaten sich nackt auf einer Insel durchschlagen müssen. Am Ende müssen sich die Kandidaten für jeweils einen anderen entscheiden.

Neben der sensationslüsternen Shows gibt es eine Reihe an Helptainment-Sendungen wie "Make Love" der öffentlich-rechtlichen Landessender MDR und SWR. Die Sexologin Ann-Marlene Henning gibt darin echten Paaren Sex-Tipps. Die Sexexpertin schreibt in dem Bericht der Medienanstalten, es sei wichtig, realistische, humorvolle Inhalte ohne künstliche Scham in die Programme zu bringen.

"Ordentlicher Inhalt zu sexuellen Themen ist, unabhängig vom Medium, heute notwendig als Gegengewicht zur Porno-Fülle im Netz."
Ann-Marlene Henning, Sexologin

Diese neue Sex-Welle im Fernsehen scheint auch eine Gegenbewegung zu der sexärmeren Vergangenheit des Fernsehens der letzten Jahre zu sein. In den 80er und 90er Jahren hätten vor allem die privaten Sender Grenzen ausgetestet und Tabus gebrochen. Das sei die letzte große Sex-TV-Welle gewesen, bevor "das Internet uns mit Pornografie überschwemmt hat", sagt Joachim Becker, Direktor der Hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien, während einer Diskussionsrunde am 12. Mai in Berlin.

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