Die Sendungen von Joko und Klaas sind voller spektakulärer Aktionen. Ein NDR-Team hat recherchiert und behauptet: Einiges davon sei gefaked. Medienkritiker Stefan Niggemeier hält solche Fakes auch im Unterhaltungsfernsehen für ein Problem.

Klaas Heufer-Umlauf überrascht einen Fahrraddieb auf frischer Tat und stellt ihn mit einem riesigen Konzert bloß. Beim "Duell um die Welt" landet der Schauspieler Edin Hasanovic ganz alleine einen Heißluftballon. Und bei "Late Night Berlin" erlebt eine Frau bei einem Tinderdate ganz ungeplant einige kuriose Sachen. So jedenfalls wird es im Fernsehen erzählt.

Laut einer Recherche des Funk-Formats Strg_F sind diese Dinge aber gar nicht so spontan passiert. Die NDR-Journalisten werfen den Entertainern vor, dass dabei Schauspieler zum Einsatz gekommen und Szenen mehrfach gedreht worden seien.

Verarschen Joko und Klaas ihr Publikum?

Stefan Niggemeier findet: Das ist Betrug am Zuschauer. Er sei überrascht und erschrocken gewesen. "Gerade den beiden hätte ich das nicht zugetraut."

Der Medienkritiker sagt: "Ich bin nicht naiv. Natürlich wird im Fernsehen getrickst, bevor Dinge ausgestrahlt werden. Da wird gekürzt, geschnitten und dramatisiert."

Doch zwischen solchen Bearbeitungen auf der einen Seite und Betrug am Zuschauer auf der anderen Seite müsse man unterscheiden – auch bei Unterhaltungssendungen.

Dass zum Beispiel das Publikum zum Klatschen aufgefordert wird, oder dass im Schnitt zeitliche Abläufe gerafft oder neu sortiert werden, sei typisch. Die Grundidee der Sendung aber sollte real sein: Echte Kandidaten, echte Spontanität.

"Joko und Klaas stehen auch für Haltung."
Medienkritiker Stefan Niggemeier

Stefan Niggemeier ist vor allem deshalb enttäuscht, weil Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt in seinen Augen nicht nur für Witz, sondern auch für Haltung stehen. Beide äußern sich zu gesellschaftlichen Themen, Klaas Heufer-Umlauf ist politisch aktiv.

Für ihr Format "Joko & Klaas live - 15 Minuten", bei dem sie ihre Sendezeit Vertretern von politischen Initiativen zur Verfügung gestellt haben, erhielten sie den Grimme-Preis.

Sender und Produktionsfirma beziehen Stellung

Pro Sieben äußerte sich in einer Stellungnahme zu den Fake-Vorwürfen. Zu der Geschichte mit dem Heißluftballon heißt es etwa: "Wir arbeiten bei allen Filmen mit den höchsten Sicherheitsstandards, um das Leben unserer Protagonisten nicht zu gefährden. Dies ändert nichts an der subjektiven Wahrnehmung und Bereitschaft unserer Protagonisten."

Klaas Heufer-Umlauf nannte die Vorwürfe in seinem Podcast auf Spotify "heiße Luft". Und Arne Kreutzfeld, Geschäftsführer von Joko und Klaas' Produktionsfirma Florida TV, reagiert laut DWDL.de verschnupft: "Der NDR legt journalistische Standards an die Arbeit von Unterhaltungsproduzenten an", sagte er.

"Ich glaube, dass Joko und Klaas Klartext sprechen müssen."
Medienkritiker Stefan Niggemeier

Stefan Niggemeier findet die Reaktion der Produktionsfirma nicht befriedigend: "Ich glaube, dass Joko und Klaas dazu etwas sagen und Klartext sprechen müssen", meint er. Auch die Stellungnahme von Pro7 reicht ihm nicht. "Was ist für mich jetzt das Indiz, dass ich glauben soll, dass andere Fälle nicht inszeniert sind?", fragt er. Im Grunde stünden nun alle Unterhaltungsformate unter Verdacht.

Ein Formatproblem: Immer extremer

Stefan Niggemeier meint, nun könnten sich all diejenigen im recht fühlen, die schon immer behauptet haben, im Fernsehen sei alles gelogen.

Das Problem liege vielleicht aber auch im Format der Sendungen: Beim "Duell um die Welt" steigerten sich die Herausforderungen immer weiter. "Das war zum Teil so absurd, auch so absurd gefährlich. Es wäre völlig verantwortungslos, wenn das eins zu eins echt wäre."

Dilemma der Authentizität

So entstehe ein Dilemma, meint der Medienkritiker: Auf der einen Seite sei es problematisch, die Menschen ernsthaft in Gefahr zu bringen. Auf der anderen Seite sei es unbefriedigend, wenn die Todesangst nur von Schauspielern inszeniert würde.