Deniz Yücel ist frei, viele andere deutsche Kollegen, wie Mesale Tolu, stehen weiter unter Druck. Laut Reporter ohne Grenzen werden sie von der türkischen Staatsanwaltschaft zu unrecht kriminalisiert. Ein weiteres Medienthema der Woche: Springer zeichnet Amazon-Gründer Jeff Bezos aus. Mit welchem Kalkül?

Die Inhaftierung des Welt-Journalisten Deniz Yücel hat in Deutschland viel Anteilnahme und eine Welle der Solidarität ausgelöst. Mit seiner Freilassung gab es ein Aufatmen. Doch die Situation für kritische Journalisten hat sich in der Türkei insgesamt nicht verbessert. Die Zeitung Cumhuriyet ist der türkischen Regierung schon lange ein Dorn im Auge. In dieser Woche hat ein Gericht einige Cumhuriyet-Mitarbeiter zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. 

Auch deutsche Journalisten stehen weiter am Pranger: An diesem Donnerstag geht der Prozess gegen Mesale Tolu weiter. Die Staatsanwaltschaft wirft der deutschen Journalistin laut Anklageschrift Mitgliedschaft in einer bewaffneten Terrororganisation und Terrorpropaganda vor. Ihr drohen bis zu 20 Jahre Haft. "Trotz der Freilassung bleibt Mesale Tolu in den Augen der türkischen Staatsanwaltschaft eine Kriminelle, die wie viele andere Journalisten im Land einfach nur ihren Job gemacht hat. Solange Tolu das Land nicht verlassen darf, bleibt sie eine politische Geisel der türkischen Regierung", kommentiert "Reporter ohne Grenzen"-Geschäftsführer Christian Mihr das Vorgehen. 

Daniel Fiene und Herr Pähler sprechen mit Anne Renzenbrink von "Reporter ohne Grenzen" über die aktuelle Lage einiger deutscher Journalisten in der Türkei und blicken auch auf das neue "Ranking der Pressefreiheit 2018", welches die Organisation in dieser Woche veröffentlicht hat.

Anne Renzenbrink
© Dietmar Gust | Reporter ohne Grenzen

 Deutschland ist zwar von Platz 16 auf Platz 15 hochgerückt, insgesamt gibt Europa aber kein gutes Bild ab: Hetze und Unterdrückung prägen immer stärker die Arbeit von Journalisten.

Wenn deutsche Medien mit US-Tech-Giganten kuscheln

Vor zwei Jahren hat ihn Facebook-Chef Mark Zuckerberg entgegengenommen, in dieser Woche hat ihn Amazon-Gründer Jeff Bezos in Berlin erhalten, den Axel-Springer-Award für innovative Unternehmer mit gesellschaftlicher Verantwortung. So bezeichnen es die Preisstifter des Medienkonzerns. Kritiker holen alte Schlagzeilen der Springer-Medien hervor, indem sie genau vom Gegenteil berichtet haben. "Warum ist er so böse?", titelte Bild.de sogar in der Vergangenheit. Was steckt also dahinter, wenn ein deutscher Medienkonzern Internetmilliardäre auszeichnet? Jörg Wagner war bei der Preisverleihung in Berlin dabei und berichtet.

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