Nicht nur alte Männer können sie haben, sondern auch Männer unter 30: Erektionsprobleme. Seit über 20 Jahren gibt es dagegen eine potente, blaue Pille: Viagra. Die erhöht zwar das Stehvermögen, kann aber das Sehvermögen beeinträchtigen.

Es kann passieren, dass Männer nach der Einnahme von Viagra-Pillen verschwommen sehen. Das hat ein Arzt an einer Augenklinik in Istanbul bei 17 Patienten festgestellt. Deren Pupillen waren erweitert, sie haben empfindlicher auf Licht reagiert. Vor allem jüngere Patienten Ende 30 haben diese Symptome gezeigt. Der älteste Patient war 57 Jahre alt.

Nach Viagra-Einname Blautöne intensiver wahrgenommen

Außerdem war auch ihre Farbwahrnehmung gestört. Die Männer waren rot-grün-blind und sie haben Blautöne intensiver als sonst wahrgenommen. Diese Probleme haben offenbar mehrere Tage angehalten. Bei einer Kontrolluntersuchung nach drei Wochen hat keiner der Patienten noch über Probleme geklagt, berichtet Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Anne Preger.

"Bemerkenswert daran ist, dass die Wirkung und damit auch die Nebenwirkung von Viagra und anderen Tabletten mit dem gleichen Wirkstoff eigentlich nur drei bis fünf Stunden anhalten sollten."
Anne Preger, Deutschlandfunk Nova

Dass Viagra in den Stunden nach dem Einnehmen auch das Farbensehen verschlechtern kann, war an sich schon bekannt. All diese Männer waren aber mit ihren Augenproblemen erst 24 bis 48 Stunden nach der Einnahme in die Klinik gekommen. Sie hatten die Probleme also auf jeden Fall deutlich länger.

Alle Männer haben eine Gemeinsamkeit: Sie waren eigentlich gesund und haben nach eigenen Angaben keine Augenprobleme. Aber sie alle haben zum ersten Mal den Viagra-Wirkstoff eingenommen, alle ohne Rezept und alle haben beim ersten Mal direkt die erlaubte Höchstdosis von 100 Milligramm Wirkstoff eingenommen.

Nicht mit der Höchstdosis beginnen

Der Augenarzt empfiehlt, dass Männer bei der ersten Einnahme erst einmal mit der Standarddosis von 50 Milligramm anfangen, um das Risiko dieser länger anhaltenden Nebeneffekte zu verkleinern.

In Deutschland bekommt ihr Viagra nur auf Rezept. Die 17 Patienten in Istanbul haben offenbar das Medikament ohne ärztliche Rücksprache eingenommen. Auch in anderen europäischen Ländern gibt es den Wirkstoff inzwischen auch rezeptfrei, zum Beispiel in Polen und Großbritannien. Allerdings nur gegen eine Beratung in der Apotheke. So soll der illegale Handel mit dem Potenzmittel eingedämmt werden.

In Deutschland nur mit Rezept

In Deutschland gibt es aktuell keine Pläne, Viagra auch rezeptfrei in der Apotheke zu verkaufen. Die Begründung ist unter anderem die möglichen Nebenwirkungen. Deswegen muss Mann in Deutschland offiziell erst zu einem Arzt für eine Verschreibung.