Für die Pharmaindustrie ist Blutplasma ein wichtiger Rohstoff – für viele kranke Menschen auch. Anders als bei der normalen Blutspende bekommen die Spendenden sogar etwas zurück. Ein Blick auf den Markt und seine Regeln.

Aus Blutplasma, also den flüssigen Blutbestandteilen, wird eine ganze Reihe von Arzneimitteln hergestellt. In der Europäischen Union stammt ein Großteil des Blutplasmas aus den USA. Gerade hat sich die EU-Kommission mit den Bedingungen für die Blutplasmaspende und die Blutspende in Europa beschäftigt. So soll unter anderem erreicht werden, dass innerhalb der EU mehr Blutplasma gespendet wird, damit weniger importiert werden muss.

Blutkörperchen kommen zurück

Bei einer normalen Blutspende wird uns innerhalb von rund zehn Minuten ein halber Liter Blut abgezapft, so wie es aus den Adern kommt. Bei der Blutplasmaspende hingegen geht es um die Blutflüssigkeit, die keine Blutkörperchen mehr enthält. Zwar wird uns dabei auch Blut abgezapft. Aber rote und weiße Blutkörperchen kommen wieder zurück in unseren Blutkreislauf, wie die Ärztin Silke Kopps erklärt.

"Blutplasma ist ein Bestandteil des Blutes, enthält verschiedene Proteine, Gerinnungsfaktoren, Immunglobuline zur Vorbeugung von Infektionen. Man entnimmt im Grunde dem Spender nur das Plasma und gibt ihm seine Blutzellen wieder zurück."
Silke Kopps, Ärztin, Klinikum Dortmund

Zwischen 600 und 850 Milliliter Plasma werden je nach Körpergewicht bei einer Plasmaspende gesammelt. Das dauert etwa eine Stunde. Deshalb gibt es in der Regel auch eine Aufwandsentschädigung, meist zwischen 20 und 40 Euro.

Gute Spendebereitschaft in Deutschland

Aus Blutplasma werden vor allem gerinnungshemmende Medikamente gewonnen – für Bluter zum Beispiel. Aus dem Plasma werden aber auch Eiweiße wie Albumin isoliert. Das ist unter anderem wichtig, um Verbrennungsopfer zu behandeln. Immunglobuline aus dem Blutplasma sind oft in Medikamenten für Menschen zu finden, deren Immunsystem gestört ist.

Zwar will die EU die Zahl der Plasmaspenden in der EU ankurbeln. In Deutschland ist es um die Spendenbereitschaft aber eigentlich recht gut bestellt, sagt unsere Reporterin Verena von Keitz.

Susanne Stöcker arbeitet am Paul-Ehrlich Institut, dem Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel. Sie sagt, Deutschland könne sich im Grunde selbst versorgen: 2018 seien zwar rund sechs Millionen Liter Blutplasma aus Nicht-EU-Staaten importiert, umgekehrt aber auch fünf Millionen Liter Blutplasma in nicht EU-Staaten exportiert worden. Das habe auch damit zu tun, an welchen Standorten Pharmafirmen Arzneimittel herstellen.

Trotzdem ist es wichtig, dass mehr Menschen zur Blut- oder auch Plasmaspende gehen, auch weil viele der langjährigen Spenderinnen und Spender bald zu alt sind zum spenden und es Nachwuchs geben muss, sagt Ärztin Silke Kopps.

"Wenn man zu oft zur Plasmaspende geht, betreibt man Raubbau am Körper, weil man dann hinterher einen verminderten Wert an Immunglobulinen, an Stoffen, die bei Infekten helfen sollen, hat."
Silke Kopps, Ärztin, Klinikum Dortmund

Blutplasma nicht zu oft spenden

In der EU sind 60 Plasmaspenden pro Jahr erlaubt. Wer zu oft spendet, dessen Immunsystem kann geschwächt werden, erklärt die Ärztin, falls der Körper nicht hinterher kommt, die entzogenen Stoffe zu ersetzen. Im Extremfall könne das zu Infektionen wie einer Hirnhaut- oder Lungenentzündung führen.

Deshalb wird zum Beispiel beim Blutspendezentrum Dortmund genau darauf geachtet, dass Menschen nicht zu oft spenden. Jede Spenderin, jeder Spender, wird bei einer Plasmaspende zunächst ärztlich untersucht.

Für alle, die Plasma spenden wollen, gelten grundsätzlich die gleichen strengen Spendenkriterien wie bei der normalen Vollblutspende, zum Beispiel ein Körpergewicht von mindestens 50 Kilogramm und ein gesunder körperlicher Zustand. Bei der Plasmaspende wird außerdem geguckt, dass genügend Eiweißstoffe und Immunglobuline im Blut sind.

"Man überprüft, ob nach fünf Plasmaspenden noch ausreichend Immunglobuline vorhanden sind, ist die Gesamteiweißmenge ausreichend, das wird also wirklich nach jeder fünften Plasmaspende kontrolliert."
Silke Kopps, Ärztin, Klinikum Dortmund