Seit September befinden sich die Geflüchteten in einem Camp auf der Insel Samos im Lockdown. Das macht es schwieriger für Ärztinnen und Ärzte, diese Menschen zu versorgen.

Stella Kunzendorf ist angehende Ärztin. Zurzeit versorgt sie Geflüchtete im Camp Vathi auf der griechischen Insel Samos. Auf Samos gibt zwar ein Krankenhaus, das ist zurzeit allerdings stark überlastet.

Die medizinische Arbeit der Helfer wurde zu Beginn der Pandemie eingeschränkt. Der Arbeitstag der angehenden Ärztin beginnt um 7:30 Uhr. Weil die Geflüchteten aufgrund der Corona-Pandemie das Camp nur noch eingeschränkt verlassen dürfen, kommen die Helfer zu ihnen.

"Die Patienten kommen zu uns in diesen Bereich unter freiem Himmel, unter den Bäumen, am Rande des Camps."
Stella Kunzendorf, angehende Ärztin

Als Erstes müssen die medizinischen Helferinnen und Helfer ihre Ausrüstung vom Krankenhaus, das sich auf der Insel befindet, zum Camp fahren. Dort wird unter freiem Himmel, am Rande des Camps, ein provisorische Praxis für Kranke und Verletzte aufgebaut.

Mit einfachsten Mitteln helfen

Die Ausstattung ist sehr einfach gehalten: ein Tisch, ein paar Boxen mit den wichtigsten Medikamenten und ein Zelt, in dem die Patienten behandelt werden können.

Die Helfer halten sich strikt an Abstandsregeln und tragen Gesichtsmasken, das dient zum Schutz, erschwert aber auch die Kommunikation mit den Patienten, berichtet die angehende Ärztin Stella Kunzendorf im Interview.

Hitze behindert Versorgung

Oft können die Ärztinnen und Ärzte nur bis mittags praktizieren, weil die Temperaturen unter freiem Himmel zu hoch werden. Sie müssen dann ihr Equipment wieder zusammen räumen und es am frühen Nachmittag wieder zurück in die Klinik bringen.

Ungewisse Lage für Geflüchtete im Camp

Die ungewisse Lage sorgt für Verunsicherung, das beobachtet Stella Kunzendorf zum Beispiel bei den Übersetzern und Übersetzerinnen, mit denen sie eng zusammenarbeitet. Nicht zu wissen, wie lange der Lockdown andauern wird, sich Sorgen um die Gesundheit von Familie und Freunden zu machen und im Camp festzusitzen – das sind alles Dinge, die die Menschen vor Ort verunsichern.

"Dass unsere Arbeit hier eine Übergangslösung ist, das fühlt sich oft einfach unerträglich an."
Stella Kunzendorf, angehende Ärztin

Besonders schwer fällt Stella Kunzendorf der Gedanke, dass alles, was sie tut nur eine Übergangslösung ist und nicht die grundlegenden Probleme behebt, die im Camp bestehen.

Die Menschen, mit denen sie beispielsweise eng zusammenarbeit, einfach in ihrer Ungewissheit zurückzulassen, fällt ihr schwer, wenn sie daran denkt, dass sie demnächst nach Deutschland zurückreisen wird.

Dankbar für die Erfahrung

Gleichzeitig, sagt Stella Kunzendorf, dass sie sehr dankbar für die menschlichen Einblicke ist, die sie durch ihre Arbeit bekommt. Denn oft genug hätten wir einen distanzierten Blick auf das politische Dilemma der aktuellen Situation in den Camps und fühlten uns ohnmächtig, sagt Stella. Durch ihre Erfahrungen, die sie im Camp gemacht hat, freut sich Stella nun auf ihren weiteren Weg als Ärztin.