Lehrbücher in der Medizin war gestern. Heute bereiten sich angehende Ärzte mit Videos auf Prüfungen und Operationen vor - eine gute Hilfe. Aber eines können sie nicht ersetzen.

Während in den USA und Großbritannien medizinische Lehrvideos schon länger gang und gäbe sind, fängt in Deutschland der Trend dazu gerade an. Produziert werden diese Videos von Universitäten, Professoren, niedergelassenen Ärzten und Verlagen.

Für Gefäßchirurg Thomas Schmitz-Rixen von der Uniklinik in Frankfurt am Main können die Videos den Medizinunterricht zwar nicht ersetzen, aber "sinnvoll" ergänzen.

Lehrvideos statt Lehrbücher

In den Videos werden beispielsweise Operationen Schritt für Schritt gezeigt, die Kamera hält immer drauf. Sie enthalten auch teilweise Zeichnungen, Grafiken, 3D-Modelle oder Röntgenaufnahmen.

Während früher vor Operationen dicke Lehrbücher gewälzt wurden, geht das jetzt mit den Videos besser, sagt Thomas Schmitz-Rixen.

Für alle Bereiche der Medizin geeignet

Operationen mit Skalpell und Tupfer gehören zu den Inhalten, die in den Lehrvideos gezeigt werden. Ganz ohne Blut kommen beispielsweise Untersuchungsanleitungen für die Neurologie aus, erklärt Andrea Radtke, Neurologin am Humboldt Klinikum in Berlin. Diese Videos können auch erfahrene Ärzte bei besonderen Untersuchungen unterstützen.

"Lehrvideos können sowohl für Studenten als auch für angehende Ärzte, aber auch für Ärzte in den Kliniken sehr hilfreich sein."
Andrea Radtke, Neurologin am Humboldt Klinikum in Berlin

Beispielsweise können sie Ärzten dabei helfen, die Ursache von Gleichgewichtsstörungen zu erkennen, indem sie erklären, wie Augenuntersuchungen durchgeführt werden.

Videos ersetzen nicht den haptischen Unterricht

Gefäßchirurg Thomas Schmitz-Rixen findet diese Videos gut und wichtig, sie seien aber kein Ersatz für die Präparationskurse an einem toten, menschlichen Körper. Denn das "haptische Gefühl", das entstehe, wenn beispielsweise das Gewebe präpariert wird, sei für die Medizinstudenten nur so erlebbar.

"Die Lehrvideos sind zur Vorbereitung gedacht oder inzwischen sogar notwendig, aber den direkten Unterricht wird es nicht ersetzen."
Thomas Schmitz-Rixen, Gefäßchirurg an der Uniklinik in Frankfurt am Main

Im Medizinstudium gilt also immer noch trotz Lehrvideos: Learning by doing.