Immer bessere technische Möglichkeiten machen Meere und Ozeane nicht nur für Forscher zugänglicher, sondern bieten auch die Chance, ihnen noch mehr Ressourcen zu entlocken - zum Beispiel noch unerkannte medizinische Wirkstoffe, die etwa in der Krebstherapie oder als Antibiotika eingesetzt werden können. Das marine Ökosystem ist aber in Gefahr.

Vor allem die Tiefsee ist noch in weiten Teilen unerforscht. Ihre außerordentlichen Lebensbedingungen verlangen den Lebewesen dort außergewöhnliche Strategien ab - und für die interessieren sich Wissenschaftler: Mit welchen chemischen Strategien zum Beispiel verteidigen sich Schwämme in tausenden Metern Tiefe so erfolgreich gegen ungewünschte Besiedlung durch fremde Organismen? Können wir uns bei ihnen Ideen zum Beispiel für neue, effektivere Antibiotika abgucken?

"Die Suche nach Arzneimitteln aus dem Meer ist jung. Wir haben schon erstaunlich viel gefunden, aber das ist sicherlich gerade erst der Anfang."
Peter Proksch, Biologe

In diesem Gebiet benötigen wir wegen der bekannten Resistenzen nämlich dringend neue Medikamente, warnt Peter Proksch, Leiter des Instituts für Pharmazeutische Biologie an der Uni Düsseldorf. Er sucht im Meer unter anderem nach antitumoralen und antibiotischen Naturstoffen. Und er kann hoffen: Schon in den letzten Jahren seien bereits eine Reihe von neuen Krebsmedikamenten aus marinen Organismen auf den Markt gekommen.

"Das Meer birgt jede Menge Kapazität für die Nutzung zum Beispiel im Nahrungsmittelbereich."
Sebastian Rakers, Biologe

Aber auch in Sachen Ernährung machen sich Forscher noch Hoffnung auf neue, bisher unbekannte Stoffe aus dem Meer, erläutert Sebastian Rakers, Biologe in der Arbeitsgruppe Aquatische Zellkulturen an der Fraunhofer-Einrichtung für Marine Biotechnologie. Er forscht unter anderem mit Algen im Lebensmittelbereich, arbeitet aber auch an aus Fischzellen gewonnenen Modellsystemen für die Forschung.

"Je mehr wir den Ozean verstehen, je mehr wir ihn erforschen, desto mehr werden wir auch Stoffe erkennen, die wir nutzen können ."
Anja Engel, Meeresforscherin

Auch Anja Engel, Professorin für Biologische Ozeanographie am GEOMAR Helmholz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel, sieht enormes Potential in den Tiefen, die zu zwei Dritteln unseren Planeten bedecken. Allerdings warnt sie, dass die Ökosysteme überlastet sind: Die Verschmutzung der Meere, mögliche Überfischung, Erwärmung, Übersauerung, Abnahme des Sauerstoffgehalts - all das gefährde den marinen Lebensraum und damit auch dessen potentielle Nutzung.

"Der Anstieg der CO2-Konzentration hat einige Folgen für die Chemie des Seewassers, die auch für Organismen, die im Meer leben, katastrophal oder zumindest schwierig sind."
Anja Engel, Meeresforscherin

"Wie profitieren wir von Naturstoffen aus dem Meer?", fragte die Deutsche Forschungsgemeinschaft in ihrer Exkurs-Diskussion "Schatzkiste Ozean", einer Diskussionsrunde im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2016/2017, das sich um Meere und Ozeane dreht. Aufgezeichnet wurde die Veranstaltung am 6. September 2016 auf der MS Wissenschaft in Bonn. Moderiert wurde das Podium von Arndt Reuning vom Deutschlandfunk.