Beleidigungen, Diskriminierungen, Hassbotschaften – Meghan und Harry haben keine Lust mehr darauf. Deshalb haben sie mitgeteilt, ihre Social-Media-Kanäle wenig bis gar nicht mehr zu nutzen. Verständlich. Social Media pauschal zu verteufeln, macht aber auch wenig Sinn.

Prinz Harry und Herzogin Meghan ziehen sich aus den sozialen Medien zurück. Im März 2020 waren sie als hochrangige Mitglieder der britischen Königsfamilie zurückgetreten. Anschließend hatten sie ihre Social-Media-Kanäle regelmäßig genutzt. Doch mit Insta & Co. soll jetzt Schluss sein – ihnen schlage dort einfach zu viel Hass entgegen, so die Begründung.

"There is something algorithmically that is in there, that is creating this obsession, that I think is very unhealthy for a lot of people."
Herzogin Meghan

Ohne Zweifel kann Social Media ungesund werden und jede Menge schlechten Einfluss auf uns haben. Wir wollen aber mal auf die guten Seiten schauen – die gibt es nämlich auch. Durch eine radikale Abwendung verpassen wir zum Beispiel einiges, sagt Ilka Knigge von Deutschlandfunk Nova. So fällt etwa der unkomplizierte Kontakt und der Austausch mit einer großen Gruppe von Menschen weg.

Das gesunde Maß

Profile verwaisen zu lassen oder ganz zu löschen, kann sich auch nicht jeder leisten, findet sie. Uns Normalos entgeht dann nämlich etwas Anderes als Promis wie etwa Meghan und Harry. Medienpsychologe Tobias Dienlin, der zu den Effekten von Social Media auf unser Leben forscht, stimmt zu. Ein gesundes Maß sei für die meisten Nutzenden sinnvoll und okay.

"Ich denke, dass der vollständige Verzicht auf soziale Medien wirklich nur den wenigsten möglich ist, sei es aus beruflichen Gründen, aber auch aus psychologischen Gründen. Es ist eher so, dass es für die meisten sinnvoll ist, ein gesundes Maß zu etablieren"
Tobias Dienlin, Medienpsychologe

Gerade momentan während der Pandemie könnte Social Media helfen, Kontakte zu halten. Und Im beruflichen Kontext können sie auch nützlich sein, um Reputation aufzubauen, sagt der Psychologe. Wenn Personen schon eine bestimmte Bekanntheit hätten, könnten sich diese auch leichter erlauben, auf Social Media zu verzichten, sagt Tobias Dienlin. Gleichzeitig habe er den "vollen Respekt" davor und es sei auch absolut legitim, die Nutzung einzustellen. Gerade diese proaktive Nutzung – dass man also auch nein sagen darf – sei sehr wichtig. Nur sei sie eben nicht allen möglich.

Die Sozialen Medien sind historisch betrachtet noch ein sehr junges Phänomen. Aus der Sicht wissenschaftlicher Studien machen deshalb weder totale Verteufelung noch Verharmlosung Sinn. Es gibt positive wie negative Ergebnisse. Ein differenzierter Blick lohnt sich, denn die eine Auswirkung von Sozialen Medien auf die Psyche gibt es nicht.

Positive wie negative Folgen

In einer Metaanalyse hat Emese Domahidi von der TU Ilmenau herausgefunden, dass es einen leichten Zusammenhang gibt zwischen der Nutzung von Sozialen Medien und den sogenannten "wahrgenommenen sozialen Ressourcen". Vereinfacht gesagt: Nutzende sind gut vernetzt und profitieren von den sozialen Kontakten.

Beispiele dafür können sein:

  • Über Social Media lassen sich gerade vielleicht Menschen finden, die für einen einkaufen, weil man in Quarantäne ist.
  • Es lassen sich queere Personen finden aus dem eigenen Dorf.
  • Für viele Leute ist es wichtig, dort potentielle Kundinnen und Kunden auf sich aufmerksam zu machen.