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Die Mehrwertsteuer in der Gastro ist von 19 auf sieben Prozent gesunken. Schnitzel, Curry oder Sushi dürften trotzdem nicht weniger kosten. Wir klären, warum bei Gästen kaum Entlastung ankommt und wie schlecht es vielen Restaurants wirklich geht.

"Gastronomie war eigentlich noch nie einfach. Man muss schon überzeugt sein." Das sagt Seran Bahtijari. Er betreibt zusammen mit seinen Partnern vier klassische Restaurants in Bochum und einen Bistro-Kiosk. Doch vor allem seit 2020, als Restaurants und Cafés wegen des pandemiebedingten Lockdowns zeitweise schließen mussten, sei es schwer. Auf Corona folgten Krieg, Inflation, steigende Energiepreise und zuletzt der Handelskonflikt mit den USA.

"Wir standen zeitweise vor der Entscheidung: Entweder ein leerer Laden mit Preisen, die niemand zahlt, oder ein voller Laden, von dem man nicht leben kann."
Seran Bahtijari, Gastronom

So mies wie Seran Bahtijari geht es vielen Gastronomen in Deutschland. Laut einer Umfrage des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga melden rund 60 Prozent der Betriebe sinkende Umsätze, weniger Gäste und geringere Gewinne. Auch die Zahl der Insolvenzen sei zuletzt stark gestiegen.

Weniger Mehrwertsteuer - trotzdem kein Preisnachlass

Doch wie ist es eigentlich möglich, dass Essengehen gefühlt teurer geworden ist. In einem von Seran Bahtijaris Restaurants kostet ein Schnitzel mit Pommes und Salat 31,90 Euro. Bleibt davon wirklich so wenig übrig? Ja, sagt der Gastronom und rechnet vor: Nach Steuern, Personal- und Wareneinsatz bleiben rund sieben Euro übrig. Davon müssten Anteile für Miete, Energie, Reinigung und weitere Fixkosten abgezogen werden. "Am Ende verbleibt ein Gewinn von ein bis eineinhalb Euro."

Daher freut er sich, dass die Politik nun ihre Ankündigung wahrgemacht und die Mehrwertsteuer zum 1. Januar 2026 von bisherigen 19 auf sieben Prozent gesenkt hat. Der geringere Steuersatz bezieht sich nur auf Speisen, nicht auf Getränke.

Die Ursache, warum es vielen Gastronomiebetrieben schlecht geht, liegt für Wirtschaftsjournalist Nicolas Lieven auf der Hand: "Viele Haushalte können es sich schlicht nicht mehr leisten Essen zu gehen."

Laut offiziellen Statements aus der Politik soll die Mehrwertsteuersenkung genau da ansetzen, sagt Nicolas Lieven. Inoffiziell funktioniere es anders: Nur wenige Betriebe könnten die Entlastung weitergeben, indem sie ihre Preise senken. Die meisten nutzten sie, um gestiegene Kosten auszugleichen und finanzielle Löcher zu stopfen.

"Die Mehrwertsteuersenkung hilft, dass wir die Preise möglichst stabil lassen können."
Nicolas Lieven, Wirtschaftsjournalist

Zudem gibt es Kritik an den sieben Prozent: Die Senkung koste den Staat rund 3,6 Milliarden Euro pro Jahr. Linke und Grüne sprechen von einem "unsinnigen Steuergeschenk". Ihr Argument: Die Senkung gilt auch für große Ketten.

Kritik: Viel Geld, das keine Wirkung zeigen wird

Nicolas Lieven sieht die Sorgen der Gastronomie, hält die Kritik dennoch für berechtigt: "Das Geld wird mit der Gießkanne verteilt, auch an Unternehmen, die es nicht dringend brauchen." Ob die Steuersenkung am Ende tatsächlich Restaurants rettet, bezweifelt er. Einzelnen Betrieben könne das helfen, für viele werde es aber nicht reichen.

"Am Ende zahlt man statt 30 vielleicht 27 Euro. Werden Menschen deswegen wirklich öfter essen gehen?“
Nicolas Lieven, Wirtschaftsjournalist

Seran Bahtijari gehört zu den Gastronomen, die die Mehrwertsteuersenkung nicht an ihre Gäste weitergeben. Bei ihm bleiben die Preise für Speisen, wie sie sind – zumindest steigen sie nicht, sagt er. Die meisten seiner Gäste hätten dafür Verständnis. "Wer einkaufen geht, sieht schließlich selbst, wie stark die Preise überall gestiegen sind." Außerdem sei vielen wichtig, dass Servicekräfte fair bezahlt werden. Dauerhaft könne aber kein Betrieb "haarscharf an der Kante" wirtschaften.

Daher weiß auch er, dass die sieben Prozent keine Gäste in die Gastro zaubern werden. "Erst wenn es wirtschaftlich wieder bergauf geht, wird das direkten Einfluss auf uns haben", ist er überzeugt. Dann hofft Seran Bahtijari, dass nicht nur seine Läden wieder voll sind, sondern auch seine Kasse.

Ihr habt Anregungen, Wünsche, Themenideen? Dann schreibt uns an unboxingnews@deutschlandradio.de

Shownotes
Mehrwertsteuer runter
Warum das Schnitzel im Restaurant teuer bleibt
vom 07. Januar 2026
Moderation: 
Rahel Klein
Gesprächspartner: 
Nicolas Lieven, Wirtschaftsjournalist
Gesprächspartner: 
Seran Bahtijari, Restaurantbesitzer aus Bochum