Jahrelang hat Autorin Judith Luig mit Freunden die Nacht zum Tage gemacht - in Clubs und bei tiefschürfenden Gesprächen in der Kneipe um die Ecke. Doch dann kommt es wie aus dem Nichts und verändert alles: Das erste Kind der besten Freundin.

Wenn das erste Kind kommt, beginnt nicht nur für die Eltern eine neue Zeitrechnung, sondern auch für deren Freunde, findet zumindest Buchautorin Judith Luig. Ins Kino gehen oder in Clubs abtanzen, ist nicht mehr angesagt. Die frischgebackenen Eltern wollen am liebsten in ein kinderfreundliches Café mit Spielecke, aber noch lieber verbringen sie den Tag auf dem Spielplatz.

"Erst dachte ich, wie nett für meine Freundin und wollt schon sagen, ach komm, lass uns ein Bier drauf trinken gehen. Merkte aber sofort, ach nee, das geht ja jetzt nicht mehr."

Freundinnen mutieren zu Ganztags-Müttern für alle

Judith hat festgestellt, dass die noch jungen Eltern eine radikale Veränderung durchlaufen. Um sie hat gemerkt, dass sie, um die Freundschaft am Leben zu erhalten, diesen Weg ein Stück weit mitgehen muss. Mit auf den Spielplatz zu gehen oder auf ihre Freunde zu warten, die, seit das Kind da ist, immer zu spät dran sind, ist eigentlich kein Problem. Aber, dass sie zum Erziehungsobjekt ihrer Freunde wird, das kann Judith nicht akzeptieren. Fragen wie "Hast du dir denn schon die Hände gewaschen?" und "Du willst doch bei der Kälte nicht so rausgehen?" musste sie sich schon oft anhören, aber da zieht sie dann auch ihre Grenzen.

"Ich finde es extrem, wie übergriffig Freunde werden, wenn sie ein Kind bekommen. Sie versuchen dann auch, mich so ein bisschen zu erziehen."

Die zum Teil witzigen und zum Teil auch nervigen Momente, die Judith Luig mit befreundeten Eltern und deren Kindern erlebt hat, könnt ihr in ihrem Buch "Und jetzt alle noch mal aufs Klo" nachlesen. Im Interview mit Thilo Jahn erzählt Judith wie das Leben für eine Nicht-Mutter unter frischgebackenen Eltern so ist.