Lukas Latz studiert Osteuropastudien und war für ein Auslandsstudium in Sankt Petersburg. Bei Feldforschungen im Ural hat er mit politischen Aktivisten über die dortige Umweltverschmutzung gesprochen und darüber einen Artikel verfasst. Jetzt ist er aus Russland ausgewiesen worden.

Lukas Latz studiert Osteuropastudien an der Freien Universität Berlin. Schon als Jugendlicher habe er sich für Russland und später auch für die Sprache interessiert. Bis vor Kurzem sei er für sein Auslandsstudium an die Partneruniversität Sankt Petersburg immatrikuliert gewesen.

"Im Zuge dessen, was in den letzten Jahren in Europa so passiert, der Aufstieg autoritärer Kräfte, hat mich das dann auch immer stärker aus sozialwissenschaftlicher Perspektive interessiert, wie das Alltagsleben in so einem autoritären Staat ist."
Lukas Latz, Student und freier Journalist
Lukas Latz in Sankt Petersburg
Lukas Latz in Sankt Petersburg.

Für seine Master-Arbeit sei Lukas vor einiger Zeit in den Ural gereist, um dort Feldforschung durchzuführen. In Tscheljabinsk, eine der Städte mit der stärksten Umweltverschmutzung Russlands, habe er wegen eines neuen, geplanten Kupferbergwerks und dessen Folgen für das Trinkwasser, mit Aktivisten gesprochen. Im Anschluss habe er einen Artikel im deutschen Medium "Jungle.World“ veröffentlicht.

"Es ist einfach mein Verständnis von Wissenschaft, dass sie für ein größeres, öffentliches Publikum zugänglich sein soll. Ich habe den Eindruck, dass es für Deutsche interessant ist, wie es dort aussieht."
Lukas Latz, Student und freier Journalist

Einschüchterungsversuch durch Polizisten

Nach der Veröffentlichung des Artikels sei Lukas spätabends unerwartet von zwei Polizisten im Studentenwohnheim aufgesucht worden. Die Beamten seien zwei Stunden geblieben und drohten, dass sie "ihn auch härter anfassen könnten – mit einem Strafverfahren", sagt der Student. Das habe ihn eingeschüchtert, sodass er seine Schuld eingestanden und ein Bußgeld von 55 Euro bezahlt habe.

"Ich war einfach eingeschüchtert und habe dann meine Schuld eingestanden."
Lukas Latz, Student und freier Journalist

Lukas seien fünf Tage zugestanden worden, innerhalb derer er das Land verlassen sollte. Die offizielle Begründung: Er habe mit einer NGO gesprochen und journalistisch gearbeitet, obwohl er kein Journalistenvisum habe.

Auch die Uni Sankt Petersburg habe sich auf Anfrage zu diesem Vorfall geäußert und mitgeteilt, dass Lukas Latz gegen die Satzung der Universität verstoßen habe.

Veröffentlichung trotz Sanktionen

Das alles konnte Lukas nicht davon abhalten, seinen ins Russische übersetzten Text und auf seinem Blog "Aus Neugier" zu veröffentlichen.

Die Leiterin des Osteuropa-Instituts der Freien Universität Berlin, Katharina Bluhm, sagt, dass es üblich sei, Feldforschung zu betreiben, in diesem Fall im Ural, und einen Text darüber zu veröffentlichen. Sie sehe kein Problem darin, wie sich der Student verhalten habe, sondern bewerte sein Verhalten als üblich.

Lukas Latz legt Beschwerde bei Gericht ein

Bei dem ganzen Vorgang seien einige Fristen von den Behörden nicht beachtet worden. Nach Ansicht des DLF-Korrespondenten in Moskau, Thielko Grieß, hätte die Entscheidung einem russischen Gericht vorgelegt werden müssen. Gegen diese formalen Fehler habe Lukas Beschwerde vor Gericht eingelegt.

Sein reguläres Visum wäre Ende Juni 2019 sowieso abgelaufen. Unser Korrespondent vermutet, dass die russischen Behörden es eilig gehabt hätten, den deutschen Studenten auszuweisen, um ein Exempel zu statuieren. Möglicherweise wollten sie deutlich machen, dass zwar jeder in Russland studieren kann, aber nicht über politisch heikle Themen schreiben dürfe.