Nicht nur Essen ist gefährlich - auch von Tampons, die Baumwolle enthalten, gehen Risiken aus. Die sollen nämlich mit dem wahrscheinlich krebserregenden Pflanzengift Glyphosat belastet sein. Außerdem können Tampons sich begünstigend auf das toxische Schocksyndrom auswirken.

Ein Team der argentinischen Universität La Plata hat Tampons, Mullbinden, Watte und Wundverbände auf Rückstände aus der Landwirtschaft hin untersucht. Und sie stellten fest: 85 Prozent der untersuchten Produkte enthielten Glyphosat-Rückstände. Die WHO hat das Pflanzenschutzmittel erst im März als wahrscheinlich krebserregend eingestuft.

Der Agrarkonzern Monsanto vertreibt das Pflanzenschutzmittel Roundup, darin ist Glyphosat enthalten. Das Gift wird auch bei Baumwolle gesprüht - und zwar, wenn sich die Blüten öffnen. Diese Baumwolle wird dann zu Tampons, Mullbinden etc. weiterverarbeitet.

DRadio-Wissen-Autor Pascal Fischer über Glyphosat in Tampons
"Die Vagina hat Schleimhäute, da wandert der wahrscheinlich krebserregende Stoff direkt in den Körper. Die Konzentration des schädigenden Stoffes ist so häufig 10 bis 80 mal höher, als würde man ihn schlucken."

Woraus besteht ein Tampon?

Bei Tampons bedeutet das: Über die Schleimhäute könnte das Glyphosat in den Blutkreislauf gelangen. Zudem werden Tampons häufig mit Bleichmitteln behandelt. Auch das kann zu Komplikationen führen: Krebs, Allergien, eine verminderte Fruchtbarkeit und eine Veränderung des Hormonhaushalts können Folgen sein.

Die meisten Tamponhersteller geben die Inhaltsstoffe der Tampons auf den Verpackungen nicht an. Nach EU-Recht sind sie nicht dazu verpflichtet. Warum? Tampons sind Hygieneprodukte, da geht man einfach davon aus, dass sie nicht gesundheitsschädigend sind.

Das toxische Schocksyndrom

Von Tampons geht noch eine ganz andere Gefahr aus: Sie können das toxische Schocksyndrom auslösen. Michael Wünning ist Notarzt im Marienkrankhaus in Hamburg. In den vergangenen acht Jahren hat er eine Patientin mit dem toxischen Schocksyndrom behandelt. Die Symptome:

  • Fieber, niedriger Blutdruck
  • Schwindel, Ohnmachtsanfälle
  • Hautausschläge an Händen und Füßen

Kritisch wird es je nachdem, welches Organsystem durch das Gift des Bakteriums geschädigt wird: Im Magen-Darm-Trakt kommt es zu Übelkeit und Erbrechen. Wenn die Muskulatur betroffen ist, treten Muskelschmerzen auf. Wenn die Nieren betroffen sind, verändert sich die Harnausscheidung.

Aufgefallen ist das toxische Schocksyndrom zum ersten Mal in den 80er Jahren: Bei jungen Mädchen traten gehäuft Symptome einer Blutvergiftung auf. Der Grund dafür: Tampons nahmen damals sehr viel Blut auf und wurden seltener gewechselt. Damit waren sie für das Bakterium, das das toxische Schocksyndrom auslöst, der perfekte Nährboden. "In den 90er Jahren wurde die Blutaufnahmequalität der Tampons reduziert, dadurch trat das toxische Schocksyndrom seltener auf", sagt der Notarzt Michael Wünning.

Wie das toxische Schocksyndrom entsteht

Ein Bakterium löst das toxische Schocksyndrom aus. Kritisch wird es dann, wenn dieses Bakterium ein bestimmtes Gift in einer bestimmten Menge produziert. Dazu muss sich das Bakterium vermehren. Das geschieht vor allem dann, wenn das Bakterium in einer feuchten, warmen und abgeschlossenen Gegend unterwegs ist. "Genau dieses Milieu bietet der Tampon, mit der Produktion des Giftes hat er gar nichts zu tun", sagt Notarzt Michael Wünning.

"Der Tampon begünstigt die Vermehrung der Bakterien. Diese Bakterien hat ein Drittel aller Frauen sowieso an den Händen oder in der Scheide. Kritisch wird es, wenn dieses Bakterium ein bestimmtes Gift produziert."
Der Arzt Michael Wünning über das toxische Schocksyndrom

Was tun, um das toxische Schocksyndrom zu vermeiden

Von Tampons rät Michael Wünning nicht ab. Es ist dabei wichtig, auf ein paar Faktoren zu achten:

  • Hände vor dem Einführen des Tampons waschen
  • Tampons mit Applikator benutzen
  • Tampons nicht über Nacht drinnen lassen
  • Tampon regelmäßig wechseln
  • die Größe des Tampons an die Stärke der Blutung anpassen