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Auch 2021 gilt die Menstruation oft noch als Frauenthema. Dabei menstruieren nicht nur Frauen. Leider interessieren sich Menschen, die nicht menstruieren, oft gar nicht für die Periode. Sollten sie aber.

Es gibt Femtech-Unternehmen, die sich mit Frauengesundheit beschäftigen und zum Beispiel Apps entwickeln, mit denen ihr den Zyklus und den Hormonspiegel tracken könnt. Das Problem: In solche Unternehmen wird vergleichsweise wenig Geld investiert. Dabei wäre da richtig was zu holen. Die amerikanische Unternehmensberatung Frost & Sullivan geht davon aus, dass das Potenzial dieses Marktes bis 2025 auf umgerechnet gut 40 Milliarden Euro steigen wird.

Dass vergleichsweise wenig Geld in Femtech-Unternehmen fließt, liegt auch daran, dass viele Menschen, die ihr Geld in Start-ups investieren, Männer sind. Und die zeigen offenbar weniger Verständnis für Frauen-Produkte und sehen deswegen die Relevanz nicht.

Wenig Investitionen in Femtechs

Dass der Periode einfach die Lobby fehlt, wird auch dadurch deutlich, dass oft ganz allgemein von "der Menstruation" gesprochen wird. Dabei sind die Erfahrungen mit der Periode nicht nur total individuell, sondern haben auch etwas mit Privilegien zu tun. Das sagt die Autorin Franka Frei, die das Buch "Periode ist politisch" geschrieben hat.

"Gerade wenn man nicht so viele soziale Privilegien hat, ist der Zugang zu Wissen und auch der Zugang zu Produkten und Materialien ein anderer, als wenn man mehr finanzielle Privilegien hat."
Franka Frei, Autorin
Autorin Franka Frei guckt skeptisch, frech in die Kamera.
© Tibor Bozi
Autorin Franka Frei

Wer mehr Geld hat, kann sich zum Beispiel die ökologisch einwandfreien Tampons aus Bio-Baumwolle vom frauengeführten Unternehmen kaufen, obwohl die neun Mal soviel kosten wie die günstige Version. Wer eine bessere Bildung hat, kann sich ganz anders darüber informieren, welche Produkte gerade auf dem Markt sind. Deswegen bringt es wenig, sich in Diskussionen zum Beispiel über Perioden-Müll über andere Leute zu erheben und zu sagen "nimm doch einfach eine Tasse", sagt Franka.

"Ich finde es ganz problematisch, wenn da Menschen für ihren Konsum geshamed werden aufgrund ihrer Entscheidung für ein Menstruationsprodukt."
Franka Frei, Autorin

Sie findet: Die Periode darf kein privates Problem bleiben, indem zum Beispiel menstruierende Menschen für den Müll von Periodenprodukten verantwortlich gemacht werden, stattdessen muss sich die Infrastruktur ändern.

Was man trotzdem auch im Privaten dafür tun kann, dass sich menstruierende Menschen willkommen fühlen und wie viele Menschen von Perioden-Armut betroffen sind, darum geht es unter anderem in dieser Ausgabe von "Eine Stunde Liebe".