Wenn wir unsere Tage haben, benutzen wir ganz selbstverständlich Binden oder Tampons. Menstruationstassen kennen nur wenige. Für Frauen in Kenia sind die kleinen, wiederverwendbaren Silikonbehälter zum Einführen die einzige Möglichkeit, auch während der Monatsblutung am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

Die Versorgung mit Damenhygieneartikeln ist hierzulande kein Problem. Binden und Tampons sind jederzeit verfügbar, mit ein bisschen Glück liegen sogar ein paar griffbereit im Damenklo unserer Lieblingskneipe. Oder wir fragen einfach eine Freundin oder Kollegin, ob sie vielleicht aushelfen kann. Alles kein Problem. In Kenia sieht das anders aus. Selbst wenn dort Binden und Tampons verfügbar sind: Viele Frauen können sich das schlicht nicht leisten. Und waschbare Stofffetzen sind einfach ein schlechter Ersatz.

Maxie Matthiessen wollte sich das nicht länger mit ansehen. Sie gründete zusammen mit Julie Weigaard Kjaer und Veronica D'Souza das Unternehmen Ruby Cup. Alle drei benutzen wiederverwendbare Menstruationstassen aus medizinischem Silikon statt Binden und Tampons. Und alle drei haben von den Schwierigkeiten kenianischer Frauen gehört, die während ihrer Regelblutung nicht zur Schule oder Arbeit gehen können.

Bequemer, kostensparend und gesünder

Erfunden haben die drei Frauen das Produkt also nicht. Menstruationstassen gibt es schon ziemlich lange. Sie sehen aus wie kleine Eierbecher, die man zusammenfaltet und dann in die Scheide einführt. Durch falten sie sich wieder auseinander und fangen das Blut auf.

"Wir haben uns gedacht, wenn wir das Produkt viel besser finden als Binden und Tampons, weil es bequemer ist, kostensparend, praktisch und gesünder, warum gibt es das nicht an Orten, wo es viel mehr benötigt wird?"
Maxie Matthiessen hat Ruby Cup mit ins Leben gerufen

Einen kaufen, einen verschenken

Ein Jahr lang haben sie an ihrer eigenen Version der Menstruationstasse, dem Ruby Cup, getüftelt. Dann sind sie an den kenianischen Markt gegangen, um das Produkt vor Ort zu verkaufen. Den Verkaufspreis hatten die drei Frauen auf zehn Jahre gerechnet, so lange kann man die Menstruationstasse wiederverwenden. Mehrfach mussten sie den Preis nach unten anpassen. Aber egal ob zehn Dollar oder drei Dollar - der Verkaufserfolg blieb aus:

"Wir haben dann herausgefunden, dass, egal wie niedrig wir gegangen sind im Preis, die Mädchen und Frauen sich das Produkt nicht leisten konnten, weil sie häufig von unter zwei Dollar pro Tag leben."
Maxie Matthiesen über ihre Erfahrungen auf dem kenianischen Markt

Sie mussten also ihre Strategie ändern, um den Frauen in Kenia helfen zu können. Heute arbeiten sie mit der "Buy one, give one"-Methode. Das heißt, dass für jede verkaufte Menstruationstasse eine weitere an kenianische Frauen und Mädchen gespendet wird. Inzwischen verkaufen sie den Ruby Cup deshalb nicht mehr in Kenia, sondern in Deutschland und den USA.

"Period of Shame" - Bericht von Kenya Citizen TV