Durch ein neues Gesetz in Spanien könnte es bald freie Tage für Betroffene von Menstruationsschmerzen geben. Der Gesetzesentwurf dazu enthält noch weitere Vorschläge, die den Alltag von Frauen* erleichtern würden. Rheinhard Spiegelhauer ist ARD-Korrespondent in Madrid und erklärt, was geplant ist.

Starke Übelkeit, Durchfall, üble Krämpfe: All diese Symptome können menstruierende Personen während ihrer Periode haben. Spanien plant deshalb als erstes Land in Europa mit drei bis fünf freien Tagen pro Monat für Frauen.

"Das Gesetz soll immer dann gelten, wenn eine Frau so starke Schmerzen hat, dass sie tatsächlich nicht arbeiten kann", sagt unser Spanien-Korrespondent Rheinhard Spiegelhauer. Laut einer Studie des spanischen Gesundheitsministeriums soll etwa jede zehnte Frau davon betroffen sein, andere Schätzungen gehen sogar von jede*r Vierten aus.

Kein "Urlaub" im Wortsinne: freie Tage wegen schwerer Beschwerden

Die Regelung im Gesetzesentwurf ist gemeinhin als "Menstruationsurlaub" bekannt, was eine irreführende Bezeichnung ist: zu den Voraussetzungen für die freien Tage gehört es, dass eine Ärztin oder ein Arzt bestätigt, dass die Person aufgrund ihrer Menstruationsbeschwerden arbeitsunfähig ist. Zu möglichen Symptomen gehören unter anderem starke Schmerzen, Krämpfe, Koliken, Übelkeit oder Erbrechen.

"Wahrscheinlich wird es nicht reichen, sich einmal bestätigen zu lassen, dass man immer starke Beschwerden hat, sondern die Diagnose muss jeden Monat bestätigt werden", vermutet Rheinhard Spiegelhauer, "das ist schon ein gewisser Aufwand."

Teil einer großen Gesetzesreform

Diese Regelung ist Teil eines großen Gesetzespakets. Der Entwurf sieht auch vor, dass in Bildungseinrichtungen Hygieneartikel, wie Binden oder Tampons, kostenlos zur Verfügung stehen. Außerdem soll die Mehrwertsteuer auf manche Menstruationsprodukte entfallen.

Der spanische Gesetzesentwurf unterbreitet außerdem den Vorschlag, hormonelle Verhütung für die Nutzerinnen kostenfrei anzubieten. Das umfasst auch die "Pille danach", die eine Schwangerschaft verhindern kann, wenn sie kurz nach dem Sex eingenommen wird.

"An der Stelle wird es ziemlich massiven Widerstand von den Konservativen und von der Kirche geben. Das ist schon seit Wochen Thema."
Rheinhard Spiegelhauer, ARD-Korrespondent in Madrid

Zudem sollen mehr Möglichkeiten für Frauen, die abtreiben möchten, geschaffen werden. Von 2010 bis 2015 durften Jugendliche bereits ab 16 Jahren ohne die Zustimmung der Eltern abtreiben. Das soll nun wieder ermöglicht werden, auch wenn Rheinhard Spiegelhauer mit massiven Widerstand von konservativer und kirchlicher Seite gegen ein derartiges Gesetz rechnet.

*Da im Gesetzesentwurf von Frauen die Rede ist, sprechen wir im Audio und im Text auch ausschließlich von Frauen und nicht von menstruierenden Personen.