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Angela Merkel hat nach 16 Jahren ihre voraussichtlich letzte Erklärung als Regierungschefin im Bundestag abgegeben. Die Kanzlerin blieb sich treu: routiniert, pragmatisch, ohne Drama.

Angela Merkel wird bei der Bundestagswahl im September nicht erneut antreten. Der Abschied vom Amt hat begonnen. Am 24. Juni 2020 hat sie ihre voraussichtlich letzte Regierungserklärung im Bundestag gehalten.

Merkel ließ sich nichts anmerken

Angela Merkel sei sich treu geblieben, so Ulrike Winkelmann, Chefredakteurin der Tageszeitung "Taz". Der Auftritt im Parlament war ohne Dramatik – selbst nach 16 Jahren Kanzlerschaft.

"Angela Merkel bleibt bis zum Schluss die Anti-Drama-Queen, die sie immer gewesen ist."
Ulrike Winkelmann, Taz-Chefredakteurin

Bei ihrer Erklärung ging die Kanzlerin nicht darauf ein, dass es sehr wahrscheinlich ihre letzte im Bundestag ist. Sie machte nicht die kleinste Anmerkung.

"Die letzten Auftritte zeugen von einem Merkelmodus, den man schon kannte", sagt Ulrike Winkelmann. Dieser Merkelmodus steht für eine Haltung, dass Entscheidungen überwiegend in Ordnung waren, auch wenn sie teils hätten besser sein können.

Bilanz ziehen im Merkelmodus

Diese Art Bilanz zu ziehen, sei typisch für Merkel, so Ulrike Winkelmann. Auch die Bewältigung der Coronakrise bewerte die Kanzlerin typisch: Es sind Fehler gemacht worden, aber im Großen und Ganzen – und auch im internationalen Vergleich – stehe Deutschland nicht schlecht dar.

Die Pandemie ist noch nicht bewältigt und es gibt noch mehr Themen auf der Agenda der Kanzlerin bis zur Bundestagswahl . Danach aber ist dann Schluss: Es folgt ein neuer Bundeskanzler oder eine neue Bundeskanzlerin. Was Merkel dann tut, ist schwer einzuschätzen, so Ulrike Winkelmann. "Merkel ist die Hyper-Pragmatikerin." Die Journalistin geht davon aus, dass Angela Merkel mit der neuen Situation schnell klar kommen wird oder sie sich sogar längst innerlich damit arrangiert hat.

"Es ist der Kern ihrer Beliebtheit: Die Leute merken, dass Angela Merkel nicht korrupt ist."
Ulrike Winkelmann, Taz-Chefredakteurin

Dennoch ist allen Berufspolitikerinnen und -politikern der Abschied bislang verdammt schwergefallen.

Dass Angela Merkel aber nach Ende ihrer Kanzlerschaft auf einmal in der Wirtschaft wieder auftaucht, um gut bezahlt für Unternehmen zu werben, hält Ulrike Winkelmann für ausgeschlossen. Es würde dem Kern ihrer Beliebtheit widersprechen. "Die Leute merken, dass die Frau nicht korrupt ist. Dass sie sich nicht bestechen lässt", sagt Ulrike Winkelmann.