Fast überall in Deutschland machen die Metzgereien zu. Oft, weil sich keine Nachfolger finden. In Köln aber haben zwei Brüder einen neuen Laden eröffnet. Und der will einiges anders machen.

Die Metzgerei von David und Sebastian Friedrichs sieht ein bisschen aus wie ein Café. Hier gibt es neben der Fleischtheke noch ein umfassendes Kaffeeangebot, Sitzgelegenheiten im schicken Design und ein Fenster, das den Blick in den Kühlraum erlaubt. Wichtig war den Brüdern, dass sie eine Metzgerei mit einem anderen Konzept eröffnen. Dazu gehört für sie auch ein nachhaltiger Umgang mit Fleisch.

Die erste neue Metzgerei seit 10 Jahren

So stammt das Rindfleisch, das die Brüder verkaufen, vom Biohof der Eltern im Bergischen Land. In der Metzgerei wird immer nur ein Tier verarbeitet. Erst wenn das verkauft ist, kommt Nachschub vom Hof. 

"Und wenn es dann nicht genug gibt, dann ist das halt so. Es ist nicht immer alles verfügbar, so wie unsere Gesellschaft das gewöhnt ist. Dann gibt es auch mal kein Filet, sondern erst eine Woche später wieder."
Sebastian Friedrichs, Metzgerei-Betreiber

Mit ihrer Neueröffnung arbeiten die Brüder gegen einen deutlichen Trend an: Denn in Deutschland schließen immer mehr Metzgereien. In Köln ist die Metzgerei der Friedrichs der erste neue Betrieb seit zehn Jahren, sagt Artur Tybussek, Geschäftsführer der Fleischerinnung. Deutschlandweit hat in den vergangenen 25 Jahren jeder zweite Betrieb dicht gemacht. Nur auf dem Land fällt die Schließungsstatistik etwas weniger drastisch aus.

"Wir hatten vor 25 Jahren noch 170 Metzgereien – also die Metzgerei an der Ecke – und in diesem Jahr haben wir noch 30. Wenn da jetzt eine hinzukommt, dann ist das sehr erfreulich, aber sicherlich keine Trendwende. "
Artur Tybussek, Geschäftsführer der Fleischerinnung

Die Umsätze oder das Ladenkonzept seien allerdings nicht der Grund, dass Metzgereien schließen. Die meisten Läden laufen gut, sagt Artur Tybussek von der Fleischerei-Innung: Doch es fehle an Nachfolgern, wenn ein Metzger in den Ruhestand gehen will.

Familienbetrieb – mal anders

Bei David uns Sebastian Friedrichs hat das mit der Nachfolge im Prinzip geklappt. Nur ganz anders als gedacht. Denn die Metzgerei ist quasi auch ein neu gegründeter Familienbetrieb. Als Metzger im Laden arbeitet ihr Vater Christoph Friedrichs, der auch als Bio-Bauer arbeitet. Seine Söhne hatten aber bis zur Ladeneröffnung wenig mit der Branche zu tun. Der eine ist Zimmermann, der andere Sportjournalist – eigentlich. Jetzt aber sind sie alle zusammen Metzgerei-Betreiber. Und damit eine Rarität. 

Nach den ersten Geschäftswochen sind sie zufrieden. Mittlerweile haben sie noch zwei weitere Angestellte, einen Metzgermeister und eine Verkäuferin. Wie diese arbeiten, können die Kunden auch durch die Glasfront beobachten. Damit der Umgang mit Fleisch nichts Abstraktes bleibt.

Fleischerei Friedrichs, Fenster zum Kühlraum
© Deutschlandfunk Nova | Martin Schütz
"Das ist genau der Kontrast, den wir schaffen wollen, dass man eben das Fleisch nochmal genau in dem Zustand sieht, wie es eben irgendwann mal am Haken hängt.“
Sebastian Friedrichs, Metzgerei-Betreiber