Es ist kein einfacher Job - aber ein sehr wichtiger: Wer die Leichen der Opfer des Flugzeugabsturzes in der Ostukraine untersucht, kann zum einen die vermissten Personen identifizieren. Unter Umständen lässt sich aber auch etwas über den Grund des Absturzes sagen.

Beim Absturz des Malaysia-Airlines-Flugzeugs in der Ostukraine kamen am 17. Juli 298 Menschen ums Leben, 194 von ihnen stammen aus den Niederlanden. Die meisten Opfer wurden dorthin zur Identifizierung ausgeflogen. Mehr als 200 Experten untersuchen nun die menschlichen Überreste in einer Kaserne in Hilversum. Der erste Leichnam soll bereits identifiziert worden sein.

Rüdiger Lessig ist Professor für Rechtsmedizin am Institut für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Halle/Saale. Er geht davon aus, dass die Identifizierung der Leichen unter Umständen "sehr lange" dauern wird. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, wie die Identifizierung abläuft.

"Man muss sich an Standards halten. Es gibt primäre Identifizierungs-Merkmale wie Fingerabdrücke, DNA oder Zähne. Und sekundäre Merkmale wie gerichtsmedizinische Befunde, Bekleidung oder Schmuck."
Rüdiger Lessig, Professor für Rechtsmedizin in Halle/Saale

Das Beste sei, sich an bestimmte Standards zu halten, die Interpol entwickelt hat. Die Experten stützen sich dabei auf verschiedene Kategorien von Merkmalen. Primäre Merkmale wie Fingerabdrücke, DNA oder die Zähne des Menschen – und sekundäre Merkmale wie rechtsmedizinische Befunde, Bekleidung, Schmuck oder was sich sonst noch an einem Opfer finden lasse.

Das Problem: Nach einem Flugzeugabsturz sind häufig nur noch Überreste zu finden. Hier hilft dann eine DNA-Analyse. So lassen sich verschiedene Teile zu einer Person zusammenfügen.

Ante-Morte-Daten der Passagiere

Die Untersuchung der Opfer geht dabei sehr rasch. Was aufwendiger ist, sind die Daten der Vermissten. Dafür werden weltweit die sogenannten Ante-Morte-Daten der Passagiere gesammelt: Unterlagen beim Zahnarzt, DNA-Proben von Verwandten oder auch Fingerabdrücke aus dem häuslichen Umfeld der Vermissten. Ohne diese Daten nütze der beste Befund an einem Opfer nichts, sagt Rüdiger Lessing. Wenn es keine passenden Daten gebe, könne ein Leichnam nicht identifiziert werden. Bei einem Fall, wie dem Flugzeugabsturz in der Ukraine könne das mehrere Wochen oder sogar Monate dauern.

Neben der Identifizierung gibt es noch einen weiteren Grund, sich die Opfer genauer anzusehen. So ist es zum Beispiel möglich, dass sich an der Bekleidung der Opfer noch Reste von Sprengstoff finden - sich also Gründe für den Absturz finden lassen.