Midterms in den USA

Ein gespaltenes Land wählt

In den USA finden gerade die Kongresswahlen, die Midterms, statt. Die Wahlen gelten als richtungsweisend für die Trump-Regierung. Im Vorfeld gab es viele Proteste und Wahlaufrufe von Prominenten.

Bei den Zwischenwahlen werden alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus und 35 der 100 Sitze im Senat vergeben. Die Abstimmung ist auch ein Referendum über die Politik von US-Präsident Trump. Kritiker werfen ihm vor, das Land mit seiner aggressiven Rhetorik gespalten zu haben.

Jasper Barenberg, Deutschlandfunk-Korrespondent für Washington
"Wenn die Republikaner die Mehrheit bekommen, wäre Trump der mächtigste Präsident der USA seit vielen Jahren."

Bei den Midterms, die in der Mitte zwischen zwei Präsidentenwahlen liegen, bekommt meist die Regierungspartei einen Denkzettel verpasst. Darum war Trump bis zuletzt im Wahlkampf unterwegs. Tatsächlich müssen Trumps Republikaner Umfragen zufolge befürchten, die Mehrheit im Repräsentantenhaus - dem Unterhaus im US-Parlament - zu verlieren. 

Cathryn Clüver ist Amerikanerin und Politikwissenschaftlerin an der Uni Harvard. Sie sagt, dass Präsident Trump bei seinen Wahlkampf-Auftritten besonders die Migrationsproblematik in den Mittelpunkt gestellt habe. Die Demokraten hätten sich dagegen auf wirtschaftliche Chancengleichheit und Obamacare konzentriert.

"Die Wahlbeteiligung wird wohl Rekordhöhen erreichen. Das Land ist ähnlich tief gespalten wie in den 1960ern."

Beide Lager seien hoch motiviert. Frauen und Jugendlichen seien wohl dieses Mal viel öfter an die Wahlurnen gegangen als bei anderen Midterms, vermutet Clüver. Dafür hätte auch die landesweite Waffendebatte gesorgt. Das Land sei so tief gespalten, wie seit den 1960er Jahren nicht mehr.

Politische US-Stars

Amerikanischen Stars sind oft Demokraten. Taylor Swift, Natalie Portman und  Amy Schumer haben in den letzten Wochen mit aller Kraft versucht, Leute zu mobilisieren. Von Deutschland aus bekommt man da fast den Eindruck, dass die Demokraten mit Abstand gewinnen werden. Politikwissenschaftlerin Clüver sagt, das dieser Eindruck täuscht. Die Promis würden eben im demokratischen Staat Kalifornien leben und so nur diesen Ausschnitt des Landes zeigen. 

Wichtig sei aber trotzdem natürlich der Zugpferd-Effekt der Promis, die Menschen dazu motivieren wählen zu gehen. Bürger, die bei der Präsidentschaftswahl noch dachten, dass Hillary Clinton schon gewinnen wird und darum keine Stimme abgegeben haben, hätten die Stars, Firmen und Politiker jetzt besonders im Blick gehabt, so Clüver.


(Stand: 06.11.18, 19.40 Uhr)

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