Barack Obama. Hillary und Bill Clinton. Joe Biden und auch Robert De Niro. Sie alle haben eine Paketbombe zugeschickt bekommen. Die Spaltung der amerikanischen Gesellschaft scheint weiter voranzugehen. Neben der alltäglichen verbalen Gewalt, nimmt auch die Anwendung physischer Gewalt zu.

Zwei Wochen vor den wichtigen midterm elections in den USA befindet sich das Land in einer Situation, in der Republikaner und Demokraten versuchen, sich gegenseitig zu verletzten, sagt Christer Garrett, Professor für amerikanische Kultur und Geschichte an der Uni Leipzig.

Bisher war damit in erster Linie verbale Gewalt gemeint, auch, wenn es in letzter Zeit durchaus schon zu tätlichen Gewalttaten gekommen ist. Wie bei dem Kongressabgeordneten Greg Gianforte, der im vergangenen Jahr einen Reporter zu Boden gestoßen hatte. Die Reaktion von US-Präsident Donald Trump: "Jeder Typ, der einen Body Slam machen kann, ist mein Typ." 

Gewalt und Spaltung in den USA nimmt seit den 90er Jahren zu

Für Christer Garrett bedeutet die Eskalation der Gewalt durch das Verschicken von Paketbomben eine Form von Terrorismus, um Menschen einzuschüchtern. Präsident Trump macht die Medien dafür verantwortlich, durch ihre falsche Berichterstattung das Klima in den USA verseucht und den Boden für solche Attentate gelegt zu haben. 

"Trump hat die Verrohung nicht erfunden, er hat sie für sich entdeckt."
Christer Garrett, Professor für amerikanische Kultur und Geschichte an der Uni Leipzig

Die Wahrnehmung von Christer Garrett ist da eine ganz andere. Seit dem Amtsantritt von Trump gehen die Medien in den USA sehr vorsichtig mit Fakten um, und versuchen, so fair wie möglich zu berichten. Auch der Nachrichtensender CNN, an den ebenfalls eine der Paketbomben adressiert war. 

Die Verrohung und Spaltung der amerikanischen Gesellschaft hat Donald Trump in den Augen von Christer Garrett aber nicht ausgelöst, sondern entdeckt. Bereits seit den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts findet dieser Prozess statt. Dafür spricht unter anderem ein Attentat zu dieser Zeit in Oklahoma City, das Christer Garrett dem Inlandsterrorismus aus dem rechten Spektrum zuschreibt.

Nach der Wahl muss eine neue Mitte der amerikanischen Gesellschaft erfunden werden

Für Garrett ist es aber durchaus möglich, das Land wieder zu vereinen. Dazu braucht es aber Republikaner und Demokraten gleichermaßen, um die Sprache wieder zu versachlichen und die Emotionen ein bisschen raus zu nehmen. Vor den Wahlen im November wird es dazu zwar nicht mehr kommen, sagt er, aber danach ist der entscheidende Moment gekommen, eine neue Mitte der amerikanischen Gesellschaft zu erfinden.

"Beide Seiten müssen vielleicht erschöpft sein, bevor sie wieder zu Sinnen kommen."
Christer Garrett, Professor für amerikanische Kultur und Geschichte an der Uni Leipzig

Denn eine Theorie der Gewaltforschung besagt, dass zwei sich gegenüberstehende Gruppen erst müde und erschöpft sein müssen, um in der Lage zu sein, wieder aufeinander zuzugehen. Vielleicht ist dieser Punkt mittlerweile auch in Amerika erreicht. 

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