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Dass die Erfindungen in Deutschland nicht weniger werden, liegt hauptsächlich an der Zuwanderung. Menschen mit ausländischen Wurzeln sind Innovationstreiber.

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln hat untersucht, wie groß der Anteil der Patentanmeldungen in Deutschland ist, der auf Menschen mit ausländischen Wurzeln zurückgeht. Das Ergebnis: rund 11 Prozent.

Für die Studie wurden die Vornamen aller rund 38.000 Erfinderinnen und Erfinder berücksichtigt, die in Deutschland wohnen und zwischen 1994 und 2018 an einer Patentanmeldung mindestens beteiligt waren. Etwa 92 Prozent aller Vornamen ließen sich einem bestimmten Sprachraum zuordnen.

Ohne die Erfindungsleistung der Menschen mit ausländischen Wurzeln wäre die Patentleistung insgesamt sogar etwas gesunken – was nicht an sinkender Innovationskraft liegt, sondern in erster Linie an der demografischen Entwicklung in Deutschland: Menschen ohne Migrationshintergrund im Erwerbsarbeitsalter werden tendenziell weniger, also gibt es unterm Strich auch weniger Patente aus dieser Gruppe.

"Der in den letzten zehn Jahren ohnehin nur moderate Aufwuchs bei den in Deutschland entwickelten Patentanmeldungen ist ausschließlich Erfindenden mit ausländischen Wurzeln zu verdanken."
Enno Kohlisch und Oliver Koppel, Institut der Deutschen Wirtschaft

Der Versuch, mehr Menschen dazu zu bewegen, einen Beruf als Ingenieurin, Naturwissenschaftler oder Informatikerin zu ergreifen, ist laut Oliver Koppel vom Institut der deutschen Wirtschaft gescheitert. Er konnte die demografische Entwicklung also nicht ausgleichen.

Dass die Patente insgesamt nicht weniger geworden sind, liege in erster Linie an den Menschen mit ausländischen Wurzeln. "Hochqualifizierte Zuwanderung ist herzlich willkommen, ohne sie sähe es nicht gut aus in Deutschland", sagt Oliver Koppel.

Deutsche Wirtschaft hat Interesse an Hochqualifizierten

Insgesamt steigt der Anteil der in Deutschland wohnenden Erfinderinnen und Erfinder mit ausländischen Wurzeln an allen in Deutschland entwickelten Patenten. Für 2018 analysierten die Wirtschaftswissenschaftler einen Anteil von 11,2 Prozent, zehn Jahre vorher lag er noch bei 6,6.

Die Untersuchung konzentriert sich auf den Effekt von Menschen mit Migrationshintergrund auf die deutsche Wirtschaftsleistung und Innovationskraft und berücksichtigt zum Beispiel nicht Gründe wie Lebensumstände oder Krieg, die zu einer Flucht nach Deutschland führen können.

"Als Inder gehe ich inzwischen eher nach Deutschland als in die USA oder nach Großbritannien, obwohl das sprachlich näher liegt."
Oliver Koppel, Institut der Deutschen Wirtschaft

Eine der Möglichkeiten, Menschen aus dem Ausland nach Deutschland zu holen, ist das Angebot eines Studienplatzes. "Glücklicherweise ist es immer noch attraktiv, in Deutschland zu studieren", sagt Oliver Koppel. Er begrüßt auch, dass das Studium kostenfrei ist. Üblicherweise würden Menschen aus dem Ausland in Deutsch eine technikaffine Ausbildung wählen, und viele von ihnen würden danach auch in Deutschland arbeiten wollen.

Deutschland könnte noch etwas attraktiver werden für Studierende oder schon Ausgebildete aus dem Ausland – weil sich die USA und Großbritannien mehr als früher abschotten. Die britischen Universitäten würden zum Beispiel nicht mehr am Erasmus-Programm teilnehmen, was es für Studieninteressierte aus dem Ausland schwieriger macht.