Sechs von zehn Deutschen wollen ihre Nachbarinnen und Nachbarn besser kennenlernen - egal ob auf dem Land oder in der Stadt, im Osten oder im Westen, und egal, wie alt sie sind. Das hat eine aktuelle Umfrage ergeben. Wir klären, wie ihr das am besten anstellt. Kleines Teasing: Lächeln hilft!

Wie haltet ihr es so mit euren Nachbarn? Kennt ihr euch gut oder wohnt ihr eher in einer anonymen Nachbarschaft – und wollt vielleicht auch gar nichts mit denen zu tun haben? Die Mehrheit der Deutschen will das schon, sagt eine Befragung von infratest dimap für die Stiftung nebenan.de.

Miriam Pflüger von der Montag-Stiftung Urbane Räume hat selbst schon mehrere Nachbarschaftsinitiativen gegründet. Die Montag-Stiftung Urbane Räume arbeitet in der Stadtentwicklung und fördert den Dialog in der Stadtgesellschaft. Die Menschen hätten totale Sehnsucht danach, ihre Nachbarn kennenzulernen, sagt Pflüger. Das sehe sie täglich in ihrem Stadtteil Köln-Deutz.

Behutsamer Erstkontakt

Aber wie solltet ihr das mit der ersten Kontaktaufnahme am besten anstellen? Klingeln und vorstellen? Direkt zur Einweihungsparty einladen? Oder auf den zufälligen Moment im Treppenhaus warten? Es kommt immer darauf an, was man will, sagt Miriam Pflüger. Ihre Erfahrung: Am besten ihr geht einfach möglichst unkompliziert aufeinander zu. Behutsam...

"Besser erst mal langsam Nähe aufbauen. Nicht überrumpeln. Und was hilft: Immer wieder lächeln!"
Miriam Pflüger, Montag-Stiftung Urbane Räume

Lachen hilft immer. Das impliziert auch den Verzicht auf jegliche Unfreundlichkeit, Aggression oder gar Gewalt. Stattdessen sind Offenheit und Ehrlichkeit angesagt: Sagt, was ihr wollt – und auch, was ihr nicht wollt. Sonst kann so eine Kennenlern-Situation nämlich schnell auch mal peinlich werden. Manche finden sich plötzlich in einer Nummer drin, aus der sie nicht mehr rauskommen.

"Ich verleihe gern mal eine Zwiebel, habe aber keine Lust, einmal pro Woche zum Grillen vorbeizukommen."
Till Haase, Moderator Deutschlandfunk Nova

Natürlich gibt es auch große Unterschiede, je nach Immobilie, in der ihr wohnt. 

Dorf und Stadt

Im Dorf zum Beispiel wird man sich wahrscheinlich häufiger zu Gesicht bekommen als in der Großstadt. Und ein großes Mietshaus hat mehr Bewohner als ein Einfamilienhaus. Die Wege sind kürzer, um sich über den Weg zu laufen. Außerdem kommt es natürlich auf die Uhrzeiten an, zu denen ihr arbeitet und das Treppenhaus durchquert.

Nachbarschaft online

Plattformen wie nebenan.de sind praktisch, um passende Angebote zu finden, sagt Pflüger – etwa für das Repair-Kaffee oder um Bücher zu tauschen. Sie empfiehlt aber, nicht zu viel Zeit in der virtuellen Welt zu verlieren, sondern eher direkt zu den Menschen hinzugehen. Manchen fällt das aber schwerer als anderen.

"Vielleicht wurde das manchen Leuten einfach nicht beigebracht, aufeinander zuzugehen. Ich komme aus Südbrasilien, da ist das völlig normal."
Miriam Pflüger, Montag-Stiftung Urbane Räume

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