Vollmöblierte Miniwohnungen mischen gerade den Mietmarkt auf. Ihr Angebot: wenig Platz, dafür aber ein Komplettpaket mit viel Service.

Der Wohnungsmarkt ist ziemlich dicht. Und Studenten und Azubis stehen nicht unbedingt an erster Stelle, wenn Wohnungsbesitzer sich ihre Mieter aussuchen. Neue Lösungen müssen her. Ein Versuch sind sogenannte Mikroapartments. Ihr Zielpublikum: Wochenendpendler, Azubis, Studenten oder Leute, die nur temporär eine Bleibe für eine Projektarbeit suchen.

Gutes Geschäft, guter Deal?

Für die Anbieter ist das auch ein lukratives Geschäft. Mit vielen Einzelvermietungen lässt sich der Wohnraum gut ausnutzen und ein höherer Quadratmeterpreis erzielen. Um die 20 Quadratmeter sind solche Apartments groß. Einerseits sind sie nur auf das Mindeste runtergedampft. Alle Möbel sind so gestaltet, dass der Platz gut genutzt wird.

Andererseits sollen die Apartments aber auch attraktiv aussehen und nicht wie eine karge Jugendherberge wirken, sondern eher Hotelcharakter haben. Alles steht exakt am selben Platz, dazu gehört dann auch der ultimative große Fernseher. Außerdem bucht der Mieter direkt das Komplettpaket: Strom, Heizung und Internet sind oft mit drin.

Manchmal gibt es dann noch weitere Services wie Fitnessstudios, Hausmeister- oder Wäscheservice. Je nach Stadt kosten die Wohnungen zwischen 400 und 500 Euro. Der geringere Preis gilt etwa für Darmstadt, mehr kostet es in Hamburg.

Tristan wohnt in so einem Mini-Apartment beziehungsweise in einem Smartment-Komplex, wie seine Hamburger Wohnanlage heißt. Als er seinen Ausbildungsplatz als Mechatroniker bekam, ging die Wohnungssuche los. Das hieß erstmal aus seinem Heimatort Baden-Württenberg nach Hamburg und rein ins Wohnungscasting. Ein WG-Zimmer kostet in Hamburg im Schnitt etwa 430 Euro, zeigt der Anspannungs-Index, eine Studie in Zusammenarbeit mit dem Portal WG-gesucht. Insofern war Tristan froh, als er endlich etwas gefunden hatte.

"20 Quadratmeter ist natürlich nicht riesig. Aber dadurch, dass ich wegen meiner Ausbildung arbeite und normal eh nicht so viel zu Hause bin, geht das eigentlich klar."
Tristan wohnt in einem Smartment in Hamburg

Tristan sieht sein Wohn-Arrangement ganz pragmatisch. Er hat alles, was er braucht. Dass er seine Kreativität bei der Inneinrichtung nicht frei entfalten kann, stört ihn kaum. Nägel in den Wänden sind beispielsweise tabu, für eigene Bilder gibt es extra montierte Bilderleisten. Angst im anonymen Wohnkomplex zu vereinsamen hat Tristan nicht, er meint: "Hier sind eigentlich immer Leute, mit denen ich sprechen kann."

Nach dem Anspannungs-Index, der die Wohnungssituation in deutschen Hochschulstädten untersucht hat, spitzt sich der Wohnungsmarkt in einigen deutschen Städten, darunter Köln, Düsseldorf und Stuttgart, mehr zu. Der Bedarf an neuen Wohnungen - wenn auch nur auf Zeit - wird also sobald nicht geringer.