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Kein Bock auf Schmerz? Verständlich. Aber wir brauchen ihn. Er hilft uns, gute Entscheidungen zu treffen, sagt die Schmerzforscherin Susanne Becker. Wie Schmerz funktioniert und wie wir ihn beeinflussen können, erklärt sie in ihrem Vortrag.

Auuuutsch!!!! Wenn wir gut drauf sind und uns den Zeh stoßen, tut es viel weniger weh, als wenn uns das an einem Miese-Laune-Tag passiert. Und wer sich wehtut, das spielt auch eine Rolle. Denn wie wir Schmerzen empfinden, ist sehr individuell und situationsabhängig.

Schmerz: komplexer biologisch-psychologischer Prozess

Warum ist das so? Das hat unter anderem etwas damit zu tun, wie der Schmerz funktioniert. Auf dem Weg von unserem Zeh über das Hirn bis zum Wahrnehmen des Schmerzes passiert eine Menge. Was, das erklärt die Schmerzforscherin Susanne Becker in ihrem Vortrag.

"Wir brauchen den Schmerz. Unser Schmerzsystem hilft uns, optimale Entscheidungen zu treffen."
Susanne Becker, Schmerzforscherin

Anhand von Studien aus der Schmerzforschung macht Susanne Becker verständlich, welche Rolle unsere Psyche beim Empfinden von Schmerz spielt, wie sich akuter und chronischer Schmerz voneinander unterscheiden und auch, wie seelisches Leid und Schmerz zusammenhängen.

"No pain, no gain! Manchmal ist es sinnvoll, diesen Schmerz anzuerkennen, diesen Schmerz auch zu tolerieren, um Ziele zu erreichen."
Susanne Becker, Schmerzforscherin

Zum Beispiel erklärt sie, wie unser Körper Schmerz moduliert, damit wir trotz Schmerz bestimmte Ziele erreichen, etwa an Nahrung zu kommen.

Portrait von Susanne Becker, sie hat kurze schwarze Haare, trägt ein lilafarbenes Jacket und steht draußen vor einer Baumreihe.
© Christoph Kawan
Susanne Becker erforscht den Schmerz, dazu gehört auch, wie Schmerz im Gehirn verarbeitet wird.

Außerdem schildert sie sogenannte Placebo-Experimente, in denen Menschen, die nur glauben, ein Schmerzmittel zu bekommen, dennoch deutliche Schmerzlinderung spüren.

"Wenn wir lernen, damit umzugehen kann sich auch langfristig der Schmerz, die Intensität selbst, wieder zurückbilden."
Susanne Becker, Schmerzforscherin

Schließlich zieht sie aus dem Wissen um das Funktionieren des Schmerzens auch Schlüsse für den Umgang damit: Schmerzen können wir auch wieder verlernen – wie, das erklärt Susanne Becker im Vortrag.

Susanne Becker ist Professorin für Klinische Psychologie an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf und erforscht unter anderem, was psychologisch und biologisch dahintersteckt, dass wir Schmerzen individuell und auch in verschiedenen Situationen so anders empfinden. Ihren Vortrag "No Pain, No Gain – Wie Schmerz unser Verhalten und Erleben beeinflusst" hielt sie am am 6. November 2025 im Rahmen des Bürgeruniversität-Programms der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

Shownotes
Gesundheit
Wie unsere Psyche Schmerzen beeinflusst
vom 30. Januar 2026
Moderation: 
Katrin Ohlendorf
Vortragende: 
Susanne Becker, Professorin für Klinische Psychologie, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
  • Vortragsbeginn
  • Was ist Schmerz?
  • Studien zur Schmerzwahrnehmung
  • Wofür brauchen wir Schmerzmodulation?
  • Chronischer Schmerz
  • Wie können wir Schmerz beeinflussen, wie vielleicht loswerden?
  • Emotionale Schmerzen
  • Schlussworte
  • Hörtipp: Deep Science - Die Paychonauten
Quellen aus der Folge:
  • Fillingim, R. B. (2017). Individual differences in pain: understanding the mosaic that makes pain personal. Pain, 158, S11-S18
  • Löffler, M., Levine, S. M., Usai, K., Desch, S., Kandić, M., Nees, F., & Flor, H. (2022). Corticostriatal circuits in the transition to chronic back pain: the predictive role of reward learning. Cell Reports Medicine, 3(7)
  • Becker, S., Gandhi, W., Chen, Y. J., & Schweinhardt, P. (2017). Subjective utility moderates bidirectional effects of conflicting motivations on pain perception. Scientific Reports, 7(1), 7790
  • Nees, F., & Becker, S. (2018). Psychological processes in chronic pain: influences of reward and fear learning as key mechanisms–behavioral evidence, neural circuits, and maladaptive changes. Neuroscience, 387, 72-84
  • Becker, S., & Diers, M. (2016). Chronischer Schmerz. Der Schmerz, 30(5), 395-406