Rund, sternförmig, länglich oder oval – Bakterien können nicht nur vielfältig aussehen, sie besitzen auch unterschiedliche Eigenschaften. Noch sind längst nicht alle bekannt. Um mehr über magnetotaktische Bakterien zu erfahren, sucht ein Forschungsteam der Friedrich-Schiller-Universität Jena Menschen aus ganz Deutschland, die sich auf die Suche nach den Bakterien machen.

Bakterien verbinden viele Menschen wohl am meisten mit Krankheiten. Doch sie können ganz unterschiedliche Eigenschaften haben, die für unseren Alltag oder in der Medizin sehr nützlich sind – und sie sich nicht so einfach nachahmen lassen.

Bakterien mit integriertem Kompass

Ein Forschungsteam der Friedrich-Schiller-Universität Jena befasst sich derzeit vor allem mit magnetotaktischen Bakterien. Oben auf dem Bild ist er mit seiner Forschungskollegin Muriel van Teeseling zu sehen, wie sie Bodenproben entnehmen. Diese magnetotaktischen Bakterien können sich am Erdmagnetfeld ausrichten und sich darin bewegen, erklärt Mikrobiologe Tom Haufschild. Das liegt an Kristallen, die sie in ihrem Zellinneren haben. Diese reihen sich zu Ketten auf, die wie Kompassnadeln wirken. Dadurch spüren sie das Erdmagnetfeld.

"Von diesen Bakterien sind noch nicht viele bekannt. Wir wissen aber von molekularen Untersuchungen, dass es draußen noch sehr viel mehr geben muss – wir wissen nur nicht, wo genau und wie sie aussehen."
Tom Haufschild, Mikrobiologe an der Friedrich-Schiller-Universität Jena

Diese hochreinen Kristalle lassen sich durch Maschinen nicht herstellen, sind aber in der Nanotechnologie gefragt. Um weiter daran forschen zu können, benötigen die Forschenden viele Proben – am besten aus ganz Deutschland. Mit dem Projekt Mikrobenjäger rufen sie deshalb zur Jagd auf diese Bakterien auf.

So könnt ihr mitmachen

Je mehr Menschen Proben aus ihrer Umgebung entnehmen und einsenden, desto besser. Wer mitmachen möchte, kann sich auf der Seite anmelden und erhält ein Entdecker-Kit mit allen notwendigen Utensilien und Erklärungen.

Dann kann es auch schon losgehen zum nächsten Fluss, Tümpel oder Weiher in der Umgebung. Denn die Proben müssen vom Sediment entnommen werden. Dabei gibt es oxisches und anoxisches Sediment – also mit und ohne Sauerstoff, erklärt Tom Haufschild.

"Einige kennen es vielleicht vom Wattenmeer: Wer lange buddelt, erreicht irgendwann dunkleren, etwas muffig riechenden Sand. Das ist das anoxische Sediment und zwischen anoxischem und oxischem Sediment finden sich die magnetotaktische Bakterien."
Tom Haufschild, Mikrobiologe an der Friedrich-Schiller-Universität Jena

Wichtig ist bei der Probeentnahme also, dass es sich um Erde handelt, die von Wasser bedeckt war. Das Gute an den magnetotaktischen Bakterien: Um sie sichtbar zu machen, reicht ein starker Magnet aus. Dieser wird im Entdecker-Kit mitgeschickt. Wird er schließlich an das Probegefäß gehalten, werden die Bakterien davon angelockt.

"Sind genügend magnetotaktische Bakterien in der Probe, entsteht ein dunkler Fleck am Magneten – aus Millionen von Bakterien."
Tom Haufschild, Mikrobiologe an der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Probengefäß mit angeklebtem Magnet
© Friedrich-Schiller-Universität Jena
Ein Magnet ist am Probengefäß mit Sediment befestigt. Sind genügend magnetotaktische Bakterien in der Probe sammeln sie sich am Magneten.

Das Team hofft auf viele Mikrobenjägerinnen und – jäger, auch wenn das Auswerten der Proben viel Arbeit bedeutet. Denn die Hoffnung ist, dass durch dieses Projekt weitere magnetotakitische Bakterien ausfindig gemacht werden können.