Wenn sich Politiker in einem hohen Amt verabschieden, ehrt sie die Bundeswehr traditionell mit einer Zeremonie: Dem Großen Zapfenstreich. Das bedeutet: Mit Fackeln in der Hand marschieren Soldaten hier nachts auf und spielen Lieder, die sich die Politikerin beziehungsweise der Politiker gewünscht hat. So ist auch Ursula von der Leyen am 15. August mit einem Zapfenstreich verabschiedet worden.

In Deutschland gilt dieses Ritual als die höchste militärische Zeremonie für Verteidigungsministerinnen, Bundeskanzlerinnen und Bundespräsidenten, die aus dem Amt ausscheiden. Ursprünglich diente es Soldaten als Signal zur Nachtruhe. So wie wir sie heute kennen, geht die Zeremonie auf den preußischen König Friedrich Wilhelm III. zurück.

Die 1838 entstandene Zeremonie dauert etwa zwanzig Minuten und läuft immer nach dem gleichen Schema ab: Neben einem musikalischen Gebet darf sich die zu ehrende Persönlichkeit drei Musikstücke aussuchen, die die Bundeswehr spielt. Zum Abschluss wird die Nationalhymne gespielt.

"Kritik gibt es wegen des Zapfenstreiches immer wieder. Auch wegen der Form der Zeremonie, weil hier eben eine preußische Militärtradition erhalten wird."
Anna Kohn, Deutschlandfunk Nova

Zapfenstreich: Musik, Sentimentalität und viel Kritik

Die gewünschten Lieder gehen von Jazz über Rock hin zu sentimentalen Balladen. Ursula von der Leyen hat sich die Songs "Wind Of Change" von den Scorpions, die mittelalterliche Hymne "Ave Verum" in der Mozart-Version und die Europahymne "Ode an die Freude" von Ludwig van Beethoven ausgesucht. Gerade die Europahymne ist ein Klassiker unter den Musikwünschen der bisher verabschiedeten Politikerinnen und Politiker, meint Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Anna Kohn. Helmut Kohl entschied sich bei seinem Zapfenstreich auch für "Ode an die Freude".

"Der Song 'Wind Of Change' könnte etwas mit dem Jobwechsel von Ursula von der Leyen zu tun haben, vermutet der Sänger der Scorpions, Klaus Meine."
Anna Kohn, Deutschlandfunk Nova

Nicht alle sind Fan vom Zapfenstreich

Beim Thema Zapfenstreich kommt immer wieder Gegenwind auf: Kritikerinnen und Kritiker halten es für lange überholt, eine preußische Militärtradition heutzutage weiterzuführen. Aus ähnlichen Gründen forderten die Grünen und die damalige PDS (heute: Die Linkspartei) 1996, die Zeremonie zu streichen. Durchsetzen konnten sie es damals allerdings nicht.