Klingt nicht so appetitlich: Stiftung Warentest hat 20 Fleischersatzprodukte getestet und hohe Mineralölwerte gefunden. Ein Schnitzel ging gar nicht.

Mit 25 Prozent Zuwachsraten im Jahr glänzt die Sparte der veganen und vegetarischen Produkte - einerseits. Aber wie sieht es andererseits mit der Qualität des Fleischersatzes aus? "Jeder, der in den Supermarkt und den Discounter geht, sieht, dass diese Produkte immer mehr Regalmeter einnehmen", erklärt Werner Hinzpeter von der Stiftung Warentest den Anlass für ihre Stichprobe. Vegetarische Schnitzel, Frikadellen und Bratwürste haben die Tester rundum untersucht.

Dreierlei Probleme

Dabei testet Stiftung Warentest auch: Wie schmecken, wie riechen, wie beißen sich die Veggie-Würste? Dass einige hier nichts taugten, sei nicht das Problem, sagt Werner Hinzpeter. Problematisch ist eher, wie extrem fett- oder salzhaltig einige Produkte sind. Wie etwa die Bratwurst, die schon an das Fett-Pensum einer Hauptmahlzeit heranreichte. Sechs Produkte - darunter mehrheitlich Bio - aber fielen besonders unangenehm auf. Vor allem in Würsten und einem Schnitzel fanden die Tester Schadstoffe.

"Was am ärgerlichsten ist, sind die Schadstofffunde in den Lebensmitteln. Hier raten wir von einem Produkt ab."
Werner Hinzpeter, Stiftung Warentest

Dabei geht es vor allem um gesättigte Kohlenwasserstoffe, die aus Mineralöl stammen. Diese sogenannten "Mosh" sind nicht akut toxisch, sodass Vergiftungserscheinungen wie Übelkeit oder Ähnliches auftreten. "Aber sie reichern sich im Körper an", erklärt Werner Hinzpeter. "Man vermutet, dass es hier zu Funktionsstörungen der Organe kommen kann". Daher empfiehlt die europäische Lebensmittelbehörde Efsa Grenzwerte.

Schnitzel mit Turbo-Dosis an Schadstoffen

Ein Schnitzel von Rügenwalder Mühle stellte dazu direkt einen Negativrekord auf. Es überschritt diesen Grenzwert um das 36-Fache: 400 Milligramm pro Kilogramm Produkt. Das ist schlecht. Auch da Mosh noch in anderen Produkten zu finden ist. Mehr wurde bisher nur in einem Pfeffer von Spitzenkoch Johann Lafer gemessen.

"Nachdem man das Schnitzel gegessen hat, könnte man im Prinzip aufhören, in dem Monat zu essen. Denn das Zeug steckt auch in vielen anderen Produkten drin."
Werner HInzpeter, Stiftung Warentest

Wie kommt das Öl ins Lebensmittel? Einige Hersteller gaben auch auf Nachfrage der Stiftung Warentest an, es bewusst beigemischt haben. Im Falle von "Weißöl" als hochwertiges Paraffin ist das grundsätzlich legal. Es fungiert als Trennöl oder Gleitmittel für die künstliche Fleischmasse. Welcher Art diese Mineralölrückstände nun tatsächlich sind, lässt sich ohne weitere aufwendige Tests nicht herausfinden.

Werner Hinzpeter führt an, dass diese Mosh unnötigerweise eingesetzt werden - oft einfach aus jahrelanger Routine. Das zeigen die Produkte, die in ihrem Test gut abgeschnitten haben. Übrigens nicht nur in Sachen Schadstoffen, sondern auch im Geschmack.