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Das Gedenken an Massenmord und Tod am Holocaustgedenktag findet Mirna Funk wichtig. Gleichzeitig wünscht sich die jüdische Publizistin mehr Interesse am jüdischen Leben in Deutschland – gegen Antisemitismus und Unwissen.

Am 27.01.1945 ist das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau befreit worden. An diesem Datum gedenkt Deutschland offiziell des Holocausts, der Ermordung von Millionen Menschen während der NS-Diktatur. Mirna Funk ist Jüdin. Sie findet die Verankerung von Gedenktagen im Kalender wichtig und weist auf die Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November hin. Diese Tage allein reichten aber wohl nicht aus. Antisemitismus müsse kontextualisiert werden, das Dritte Reich müsse kontextualisiert werden.

"Es ist generell wichtig, Tage zu haben, an denen man gedenkt. Ich glaube nicht, dass es unbedingt ausreicht."
Mirna Funk, Publizistin und Autorin jüdischen Glaubens

Sie weist darauf hin, dass Antijudaismus rund 2000 Jahre alt ist. Davon unterscheide sich der Antisemitismus, den gegenwärtig rund ein Fünftel der deutschen Bevölkerung pflegt, vermutlich kaum. Er umfasse Vorurteile, Verschwörungsmythen all das, was man sich so unter Juden vorstelle. Mirna Funk sagt: "All diese Vorurteile sind ja ururururalt."

Unwissen als Problem

Sie nennt das Unwissen der meisten Deutschen über das lebendige Judentum. Was Jüdisch-Sein eigentlich bedeute, sei einem großen Teil der Bevölkerung unbekannt. Bräuche, Feiertage, Traditionen des Judentums seien für viele Deutsche Leerstellen, obwohl mittlerweile 150.000 bis 200.000 jüdische Menschen in Deutschland leben. Eigentlich sei hier eine Art von freiwilligem Nachhilfeunterricht erforderlich.

"Diesen Nachhilfeunterricht, den können wir nicht machen. Den leistet aber auch keine Gedenkstätte und kein Gedenktag. Der muss von ganz allein stattfinden."
Mirna Funk, Publizistin und Autorin jüdischen Glaubens

Angebote und Möglichkeiten gebe es eigentlich ausreichend, sagt Mirna Funk. Sie nennt beispielhaft den Podcast des Vereins 321–2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland. Die Publizistin ist sich nicht sicher, ob es grundsätzlich die Aufgabe von Institutionen ist, Neugier zu wecken.

Jüdischer Alltag

Mirna Funk kann sich allerdings vorstellen, jüdische Feiertage in Kindergärten und Schulen zu begehen. Damit gerate dann vielleicht auch der höchste jüdische Feiertag Jom Kippur eher in den Blick. Und der jüdische Alltag? Einer aktiven Auseinandersetzung mit lebenden Juden stehe eigentlich nur mangelnde Neugier im Weg.

"Es ist nicht so, dass wir hinter verschlossenen Türen in unseren Synagogen sitzen und man irgendwie nicht rankommt."
Mirna Funk, Publizistin und Autorin jüdischen Glaubens