Misha Schoeneberg durfte zusammen mit Mönchen auf eine Art Pilgerwanderung - "zur Harmonie der Welt". Was er nicht wusste: Der junge Abt war sehr ehrgeizig.

Als einziger Nicht-Mönch hat Misha Schoeneberg von 220 Thai-Mönchen eine Einladung bekommen. Er dürfe sie auf einer Reise begleiten: 1500 Kilometer zu Fuß durch Nord-Indien und Nepal.

Micha ist Südostasien-Wissenschaftler, kennt Thailand seit über 30 Jahren, und er wusste: Diese Einladung kann ich nicht ausschlagen. Und so lief er zusammen mit den Thai-Mönchen los - "zur Ehre des Königs, zur Harmonie der Welt und zur Verbesserung des Karmas".

Eine Mahlzeit pro Tag

Verabredet wurde ein Pensum von 30 Kilometern pro Tag - was schon sportlich ist. Am Ende kamen Misha und die Mönche auf einen Schnitt von 42 Kilometern pro Tag, was bedeutet, dass die Gruppe von früh morgens bis abends nichts anderes machte, als marschieren. Sie standen um zwei, drei Uhr auf und gingen los. Pro Tag gab es eine einzige Mahlzeit.

"Ich habe jeden Morgen überlegt: Wie kommst du aus der Sache raus?"
Misha Schoeneberg, Autor

Misha dachte öfter darüber nach, auszusteigen - doch irgendwo im nirgendwo in Nord-Indien liegen zu bleiben, war auch keine Option. Also lief Misha immer weiter. "Die ersten 14 Tage waren das Grauen", sagt er.

Misha Schoeneberg zusammen mit Thai-Mönchen bei einer Andacht
© Misha Schoeneberg

Dass die ganze Gruppe jeden Tag so viel gelaufen ist, war auch dem ehrgeizigen jungen Abt geschuldet. Er bestimmte auch, dass die Gruppe auf der Autobahn läuft - genauer gesagt auf der am meisten befahrenen ganz Asiens. Auf die Frage, warum sie nicht einen anderen Weg nehmen, fragten die Mönche stets zurück: Warum willst du das wissen? Irgendwann nahm Misha aus Protest einen ruhigeren Weg, der neben der Autobahn verlief.

"Die Armut, das Elend, das war schwer zu ertragen."
Misha Schoeneberg, Autor

Kriminalität hat Misha auf seiner Riese nicht erlebt, erzählt er - aber ganz viel Armut. "Nein, es war nicht Armut, es war das Elend. Es war teilweise die Katastrophe der Menschheit." In Kalkutta etwa leben Menschen auf riesigen Müllhalden ohne Perspektive auf Besserung. "Das war schwer zu ertragen", sagt Misha. Andererseits sei die Wanderung eine der wichtigsten Reisen seines Lebens gewesen.

Ein Kind auf einer Müllhalde in Kalkutta
© Misha Schoeneberg

Am Ende haben die Mönche Misha an einem Fluss verabschiedet und seinen Namen gesungen. Misha erzählt, er hätte eine Stunde lang am Ufer gestanden und geweint.

Misha hat seine Erlebnisse in einem Buch aufgeschrieben.