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Alicia hat nach der Trennung von ihrem Ex-Freund erst mal weiter mit ihm zusammengewohnt. Für ein gutes Miteinander sind Grenzen wichtig – emotionale und strukturelle. Daraus kann auch etwas Neues entstehen.

Alicia war vier Jahre mit ihrem Ex-Partner zusammen, als er Schluss gemacht hat. Nach der Trennung haben die beiden noch dreieinhalb Monate in ihrer gemeinsamen Wohnung gelebt. In dieser Zeit waren die ersten zwei Wochen für Alicia besonders hart, sagt sie.

Von einem Tag auf den anderen war die Dynamik zwischen den beiden eine andere, und gleichzeitig waren sie in ihrem gemeinsamen Zuhause. "Ich glaube, eine Trennung ist immer schwer. Aber das hat es dann noch mal doppelt und dreifach schwer gemacht, die ersten Tage überhaupt mit der Situation klarzukommen", erzählt sie.

"Einen harten Cut in der Kommunikation zu haben und auch in der Art und Weise, wie man miteinander umgeht, aber dann trotzdem noch zusammen zu wohnen und sich jeden Tag zu sehen, ist ein ganz surreales Gefühl."
Alicia hat nach der Trennung über drei Monate mit ihrem Ex-Partner zusammen gewohnt

Die beiden haben plötzlich in einer Art WG gewohnt. Ihr Ex-Partner ist ins Wohnzimmer gezogen und sie hatte das Schlafzimmer für sich. Die zwei Wochen nach der Trennung beschreibt Alicia als traurig, emotional und verwirrend. "Die Person, von der ich getröstet werden wollte, konnte mich nicht wirklich trösten, weil sie der Ursprung für meine Traurigkeit war. Das war, glaube ich, die größte Hürde", erinnert sie sich.

Es wurde einfacher, als zwischen ihnen eine gewisse Distanz entstanden ist. Sie sind sich viel aus dem Weg gegangen. Alicia hat es geholfen, sich mit Freund*innen zu treffen und unterwegs zu sein. Je mehr Zeit vergangen ist, desto freundschaftlicher wurde es zwischen ihr und ihrem Ex.

Wenn sie sich in der Küche getroffen haben, konnten sich die beiden zum Beispiel kurz darüber austauschen, was es Neues bei ihnen gibt. Sie haben einen guten Umgang miteinander gefunden. Ihnen war aber auch bewusst, dass sie getrennt sind und sie auch in diesem neuen freundschaftlichen Verhältnis bestimmte Grenzen wahren wollen.

Mit dem Ex befreundet sein

Herauszufinden, wie ein neuer Alltag als Ex-Paar in der gemeinsamen Wohnung aussehen kann, ist der Job von Lena Kager. Sie ist Beziehungscoach und Paarberaterin. Lena Kager kennt die Hürden und Fehler, die in so einer Situation häufig entstehen können, angefangen bei der Kommunikation. Dabei geht es zum Beispiel darum, über Erwartungen zu sprechen oder alte Beziehungsmuster, die sich auch nach der Trennung zeigen. "Viele Konflikte entstehen nicht wegen der Trennung, sondern weil alte Beziehungsmuster weiterlaufen", so die Paarberaterin.

"Kommunikation ist so das A und O, wenn man nach der Trennung noch zusammenwohnt."
Lena Kager, Beziehungscoach und Paarberaterin

Damit es mit dem Zusammenwohnen klappt, sollten auch alte Routinen neu gestaltet werden. Der Kaffee, der früher beispielsweise ans Bett gebracht wurde, kann nach einer Trennung eher für Probleme sorgen, weil er eine falsche Hoffnung wecken kann.

Grenzen setzen

Dadurch, dass es keine räumliche Trennung gibt, brauche es emotionale und strukturelle Grenzen, sagt Lena Kager.

  • Emotionale Grenze: Hier geht es darum, für sich selbst anzuerkennen, dass die Beziehung vorbei ist und die Ex-Partner*innen eine neue Rolle einnehmen. An einem schlechten Tag zum Beispiel sollten sie nicht diejenigen sein, die trösten oder zur Seite stehen.
  • Strukturelle Grenze: Damit ist das Aufteilen von Ressourcen gemeint, wie Geld oder soziale Kontakte. Wenn beispielsweise die Abmachung als Paar galt, dass die eine Person mehr Geld beisteuert und die andere Person dafür mehr im Haushalt erledigt, sollte das nach einer Trennung neu geregelt werden.
"Es ist auf jeden Fall wichtig, freundschaftlich miteinander umzugehen, vor allem auch, weil man noch Zuhause wohnt."
Lena Kager, Beziehungscoach und Paarberaterin

Bei all dem hält es Beziehungscoach Lena Kager für wichtig, freundschaftlich miteinander umzugehen. "Das Zuhause soll immer ein Ort sein, wo man keine Maske trägt und einfach sein kann. Da ist die Frage: Wenn der Umgang nicht freundschaftlich ist, wie soll er sonst sein? Er soll auf keinen Fall kalt und hart sein", erklärt sie.

Eine Freundschaft habe zudem auch klare Grenzen: Flirten, Küssen oder eine Beziehung werden damit ausgeschlossen. Es geht um ein neues Miteinander. Die Beziehung ist vorbei. Jetzt geht es darum, dem oder der Ex eine neue Rolle zu geben.

Was wir beachten sollten, wenn wir wieder daten oder ausziehen, darauf geht Beziehungscoach und Paarberaterin Lena Kager in der Podcast-Folge ein. Klickt dafür oben auf den Play-Button.

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