Trink- und Esskultur in die Provinz bringen. Das haben sich zwei Jungunternehmer aus Sachsen-Anhalt zum Ziel gesetzt. Sie haben einen alten Linienbus zu einer Bar ausgebaut. Mit der "Sonderfahrt" tingeln sie durchs Land und bringen Bier und Burger dorthin, wo es keine Kneipen gibt.

Er ist unübersehbar: der knallrote Linienbus von Michel Töpfer und Sebastian Zierbock. In monatelanger Handarbeit haben die beiden den 18 Meter langen Gelenkbus zu einer Bar ausgebaut. Bis das erste Bier gezapft werden konnte, mussten die Kneipenbesitzer aber ganz schön schuften.

Der rote Linienbus von vorne. Im Fenster liegt ein Schild mit der Aufschrift "Sonderfahrt".
© Sebastian Zierbock
Liebe auf den ersten Blick: Der knallrote Linienbus vor dem Ausbau

Michel hat schon mal eine Kneipe geleitet. Ihm wurde die Leidenschaft von seinen Eltern vererbt, die auch in der Gastronomie arbeiten. Sebastian ist gelernter Koch und hat nach einem Ausflug in die Buchhaltung festgestellt, dass ihm die Arbeit am Herd total fehlt. Ihre Heimatregion in Sachsen-Anhalt ist allerdings ein hartes Pflaster für Wirte. Denn oft fehlen einfach die Gäste.

"Ich habe gemerkt, dass in unserer Region die Kneipen immer mehr aussterben. Deswegen haben wir zwei gesagt, man muss doch schauen, dass überall was los ist. Auch in den Orten, in denen es nicht mehr so viele Anwohner gibt."
Michel Töpfer, Barchef im Kneipenbus

Deshalb musste was Neues her: Wenn die Leute nicht in die Kneipe kommen, muss halt die Kneipe zu den Menschen kommen. Als Michel und Sebastian dann auch noch ein Bus zum Kauf angeboten bekamen, war die Idee für die Buskneipe geboren. 

Werkzeug und Spanplatten liegen verteilt im entkernten Bus.
© Sebastian Zierbock
Der Busausbau war schwieriger als gedacht

Den richtigen Bus zu finden, war noch relativ leicht, erzählen die beiden. Die eigentliche Herausforderung war dann der Ausbau. Mit Handwerk hatten Sebastian und Michel vorher nicht so viel am Hut. Mit Ausdauer und der Hilfe von Familie und Freunden haben sie aber auch das bewältigt. Und ganz nebenbei haben beide auch noch den Busführerschein gemacht.

"In einem Bus hat wirklich nichts einen rechten Winkel, das ahnt man vorher nicht."
Michel Töpfer, Bus-Kneipier

Die Küche und der Ausschank sind im vorderen Busteil untergebracht. Im hinteren Teil können es sich circa 20 Gäste in einer Sitzecke bequem machen. Die beiden Teile werden von einer rustikalen Bar aus Holzbrettern getrennt. Außerdem gibt es noch einen  Fenster-Tresen, von dem aus auch Gäste im Freien bedient werden können.

Den Bus haben Sebastian und Michel komplett selbst ausgebaut.

Klein denken ist nichts für Sebastian und Michel. Die beiden haben die Küche so geplant, dass sie 1000 Leute bewirten können. Beim Essen setzen sie auf typisches Food-Truck-Essen: Burger und Bier. Dabei ist ihnen die Qualität der angebotenen Speisen sehr wichtig. Sie achten darauf, die Burger-Patties aus regionalem Fleisch herzustellen und für die selbst gebackenen Brötchen steht Sebastian auch gerne mal früh auf. Ein Konzept, das es in der Provinz nur selten zu finden ist.

"Ich find's halt schön, wenn die Leute ein Lächeln drauf haben, weil's geschmeckt hat oder weil sie ein schönes Bier in der Hand haben."
Sebastian Zierbock, Koch im Kneipenbus

Das Projekt "Sonderfahrt" ist gut angelaufen. Der rote Bus fährt zu Hochzeiten, Festivals und Dorffesten. Auch vor dem Winter haben die Jungs keine Angst: Anfragen für Weihnachtsfeiern und gemütliches Glühweintrinken haben sie genug. Und natürlich haben sie auch noch viele weitere Ideen. Aber eins nach dem anderen, jetzt muss erst mal die Buskneipe richtig ins Rollen kommen.

​"Erst mal das eine Baby großziehen, bevor man ein neues Baby kriegt."
Sebastian Zierbock, Koch im Kneipenbus