Rechts eingestellte Gruppe wenden in Deutschland mehr Gewalt an. Das haben Alexander Yendell und sein Team von der Uni Leipzig rausgefunden. In der "Mitte"-Studie stellen sie fest: Rechtsradikale Einstellungen haben in den letzten zwei Jahren nicht unbedingt zugenommen - dafür aber die Gewaltbereitschaft.

Für die Studie, die alle zwei Jahre durchgeführt wird, befragten die Forscher 2420 Menschen im Alter zwischen 14 und 93 Jahren. Einige Ergebnisse:

  • 50 Prozent der Befragten fühlen sich durch die Muslime wie Fremde im eigenen Land
  • 41 Prozent finden, Muslimen sollte die Zuwanderung nach Deutschland untersagt werden
  • 40 Prozent finden es ekelhaft, wenn Homosexuelle sich in der Öffentlichkeit küssen

"Pegida ist keine reine Empörungsbewegung"

Die Zahl der Menschen mit rechtsextremen Einstellungen hat insgesamt nicht zugenommen, dafür sind diejenigen, die rechtsextrem eingestellt sind, radikaler geworden: "Bei den rechtsautoritären Milieus ganz am rechten Rand, da sehen wir mit großer Sorge, dass dort die Zustimmung zu politisch motivierter Gewalt stark angestiegen ist", sagt Alexander Yendell, der an der Studie mitgearbeitet hat.

Er und seine Kollegen haben auch untersucht, warum Menschen die Ziele von Pegida befürworten. Die Zustimmung ist demnach von zwei Dingen abhängig:

  • Je rechter die Einstellung, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass jemand Pegida unterstützt
  • Islamfeindlichkeit

Die beiden Faktoren zeigen: Pegida ist nicht nur eine Empörungsbewegung, die für die Demokratie kämpft. Denn der Faktor Empörung habe in den Ergebnissen nur einen minimalen Effekt, sagt Alexander Yendell.

"Das Gefühl, ich bin politisch benachteiligt und habe hier in der Demokratie nichts zu sagen, das spielt überhaupt keine so große Rolle."
Alexander Yendell, Mitautor der "Mitte"-Studie

Pegida-Anhänger tendieren eher dazu, politisch motivierte Gewalt zu unterstützen, sagt die Studie. Umso wichtiger sei es darum, die Pegidabewegung nicht einfach als Protestbewegung zu verharmlosen. Aus der Studie geht übrigens auch hervor, dass Rechtsextremismus in allen Altersklassen vorkommt.

"Rechtsextremismus geht eigentlich über alle Altersgruppen hinweg. Es ist egal wie alt man da ist."
Alexander Yendell, Mitautor der "Mitte"-Studie

Auffällig ist jedoch: In Westdeutschland sind junge Menschen weniger ausländerfeindlich eingestellt als Ältere. Im Osten gibt es keine Unterschiede zwischen den einzelnen Altersgruppen.

Wie reagiert die Politik?

Im Netz war die "Mitte"-Studie heute eines der Trending Topics. Viele User waren entsetzt angesichts der Erkenntnisse - auch auf unserer Facebookseite. Darum haben wir die Ergebnisse auch mit Politikern diskutiert. Norbert Müller sitzt für die Linke im Bundestag, Sven Christian Kindler ist Bundestags-Abgeordneter für die Grünen. Beide haben uns erklärt, was sie von der Studie halten.

"Bei der Lektüre der Ergebnisse dieser Studie fühle ich mich wie ein Fremder im eigenen Land."
Facebook-User Leicester zu den Ergebnissen
"Mir zeigt das eigentlich nur, dass die deutsche Bevölkerung, wahrscheinlich sogar die Menschheit, bei weitem noch nicht so weit fortgeschritten ist, wie man es sich erhofft."
Facebook-User Bastian zur Studie

Das sagt der Linke:

Norbert Müller sitzt für die Linke im Bundestag und ist wenig überrascht von den Studienergebnissen. "Wissenschaftler haben bestätigt, was man im Umfeld tagtäglich sehen kann." Das einzige Gegenmittel gegen rechte Gewalt sei stetige die Demokratiebildung: "Weil ich glaube, dass das am besten immunisiert gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit."

Sven Christian Kindler von den Grünen akzeptiert keinen Hass
"Ich akzeptieren keinen Hass, keine Gewalt gegen anders aussehende Menschen."

Das sagt der Grüne:

Sven Christian Kindler von den Grünen findet, dass wir rechte Gewalt auf gar keinen Fall tolerieren dürfen: "Man muss klar machen: Ich akzeptiere das nicht. Ich akzeptieren keinen Hass, keine Gewalt gegen anders aussehende Menschen." Es sei wichtig, den Mut und die Zivilcourage zu haben, gegen rechte Parolen aufzustehen.