Neues erfinden, vielleicht auch unrealistische Visionen verwirklichen - das ist der Job von Mo Gawdat als Leiter der Forschungsabteilung bei "Google X". Und er sagt, er kennt die Formel für Glück. Sein Ziel: Zehn Millionen Menschen glücklich machen. Vielleicht noch mehr.

Also zehn Millionen, sagt Mo, die hat er längst glücklich gemacht. Sein Ziel sei es darum mittlerweile, eine Milliarde Menschen zu erreichen und glücklich zu machen. "Das scheint verrückt", räumt er selbst ein. Aber in der Welt des Internets ist das andererseits keine große Zahl. 

"96 Prozent meiner Leser sagen, dass mein Buch ihr Leben verändert hat und ihnen geholfen hat, das Glück zu finden."
Mo Gawdat, Ingenieur und Buchautor

2014 hat Mo Gawdat seinen damals 21-jährigen Sohn verloren. Das brachte ihn dazu, sein Buch zu schreiben, sagt er: "Solve for Happy" heißt es - "Die Formel für Glück".

Glücklich sein, sagt er, kann man üben. Man wird nicht immer und überall glücklich sein. "Das Leben wird dir hin und wieder etwas hinwerfen, das dich unglücklich macht". Aber mit einem berechenbaren Modell, so der Ingenieur, kannst du dich immer wieder "instand" setzen.

"Das Glücksgefühl gehört zu deiner Grundausstattung, schon als Kind. Wir sind alle als glückliche Menschen geboren."
Mo Gawdat, Ingenieur und Buchautor

Mo geht davon aus, dass wir alles, was wir zum Glücklichsein brauchen, schon haben - wir müssen es nur sehen. "Wir brauchen nicht die neuste X-Box oder jemanden, der uns sagt, wie schön unsere Haare sind", meint er. Die Illusionen der modernen Welt sind es, die viele von uns seiner Ansicht nach unglücklich machen: Schönheitsideale etwa, das Streben nach immer mehr Geld oder Erfolg. Weil wir diese eigenen Erwartungen oft nicht mehr erfüllen können, werden wir unglücklich, meint Mo. Und er spricht aus Erfahrung, denn auch er versuchte am Anfang seiner Karriere, glücklich zu werden, indem er immer mehr kaufte, immer mehr verdiente. Doch glücklich machte ihn das alles nicht.

"Glück ist ein zutiefst zufriedenes und friedvolles Gefühl, das wir haben, wenn das Leben unseren Erwartungen oder unseren Vorstellungen davon, wie es sein sollte, entspricht."
Mo Gawdat, Ingenieur und Buchautor

Die Glücksgleichung:

  • Dein Glück ist gleich oder größer als die Differenz zwischen dem, was in deinem Leben passiert und deinen Hoffnungen, Wünschen und Erwartungen.

Wenn wir das verstehen, sagt Mo, dann verstehen wir auch, dass wir es selbst in der Hand haben, ob wir glücklich sind oder nicht. Es hängt zusammen mit unseren Erwartungen: Sind die zu hoch, werden wir unglücklich.

Wir sollten uns einmal fragen: Kann es eigentlich sein, dass ich die meiste Zeit des Tages nicht glücklich bin? Warum ist das so? Mo sagt, weil wir die Glücksgleichung nicht richtig auflösen und so das falsche Ergebnis bekommen.

"Das Glück ist schon in uns. Es ist nur begraben unter all den Dingen, an die wir in unserer modernen Welt glauben."
Mo Gawdat, Ingenieur und Buchautor

Dass Mo als Entwicklungsingenieur so oft unsere "moderne Welt" als Grund fürs Unglücklichsein anführt, überrascht schon. Aber er sagt: Technologien, wie wir sie heute haben, sind ein Tool. Sie können dazu benutzt werden, uns glücklich zu machen. Sie machen uns aber nicht automatisch glücklich, nur weil wir sie haben.

Ein Beispiel: Er selbst kommuniziert mit seiner Tochter in Kanada über Soziale Netzwerke und das macht ihn glücklich. Soziale Netzwerke können aber auch ein Grund sein, sich nicht gut zu fühlen, je nachdem, wie wir sie nutzen. 

"Traurigkeit verändert nichts. Sie bewirkt bloß, das wir uns schlecht fühlen."
Mo Gawdat, Ingenieur und Buchautor

Mo sagt, er erlaubt seinem Gehirn nur nützliche oder erfreuliche Gedanken. Wenn die Gedanken ihn nur quälen und nicht weiterbringen, dann weist er sie zurück. Als sein Sohn starb, erzählt er, quälte er sich mit Vorwürfen. Aber dann dachte er: Nützen mir diese Gedanken etwas? Kann ich das Geschehene damit ungeschehen machen? Weil das nicht so war, fokussierte er sich auf einen für ihn nützlichen Gedanken: Schreibe ein Buch. Und auf positive Gedanken: schöne Erinnerungen, die er an seinen Sohn hat.