Ein Start-up aus Freiburg will nachhaltige Mobilfunkverträge anbieten. Wir haben nachgefragt, was beim Telefonieren nachhaltig sein kann.

Der Gründer des Start-ups WeTell, Andreas Schmucker, hat selbst vor ein paar Jahren nach einem nachhaltigen Mobilfunkanbieter gesucht. Weil er keinen gefunden hat, will er jetzt selbst zum Mobilfunkanbieter werden.

Per Crowdfunding hat Andreas Schmucker und seine Mitgründer 180.000 Euro eingesammelt. Mehr als 1200 Menschen haben sich beteiligt. Dafür haben sie einen Gutschein für einen Mobilfunkvertrag erhalten. Im Herbst soll es dann offiziell los gehen.

Nachhaltigkeitskonzept von WeTell

WeTell will in verschiedenen Bereichen in Bezug auf Klimaschutz, Datenschutz, Fairness und Transparenz nachhaltig sein:

  • Die Energie, die WeTell und seine Kunden verbrauchen, soll zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien kommen.
  • Die erhobenen Daten werden nicht weiterverkauft und schnellstmöglich gelöscht.
  • Die Verträge werden nicht mit Mindestlaufzeiten abgeschlossen und die Tarife sollen leicht verständlich sein.
  • Das Unternehmen verzichtet auf Leih- oder Zeitarbeit, setzt auf eine starke Mitbestimmung der Mitarbeiter und es soll flache Hierarchien geben und ein niedriges Lohngefälle.

Nachhaltiges Problem: kein eigenes Mobilfunknetz

Dem Start-up sind in seinem Nachhaltigkeitskonzept auch Grenzen gesetzt: Es hat kein eigenes Netz, sondern muss das D-Netz der Telekom nutzen. Das Start-up kann nicht einfach eigene Mobilfunkmasten aufstellen.

"Wir müssen in Kauf nehmen, wie das Netz errichtet und betrieben wird. Wir haben keinen Einfluss auf die Emissionen, die da entstehen und müssen sie nachträglich kompensieren."
Andreas Schmucker, Mitbegründer von WeTell

Die Emissionen, die auf der Seite der Netzbetreiber entstehen, will das Start-up durch andere nachhaltige Lösungen ausgleichen. Eine ist, eine Solaranlage aufzustellen, die den Strom, den die Kunden beim Telefonieren und Surfen verbrauchen, kompensiert. Für die Geschäftsräume wird nur Ökostrom bezogen, alle Mitarbeiter kommen mit dem Fahrrad.

Keine nachhaltige Herstellung von Technik und Handys

Ein Problem sind auch die Mobiltelefone oder vielmehr deren Herstellung. Allein in Deutschland soll es 100 Millionen Handys geben - weltweit sind es 1,5 Milliarden. Für die Herstellung der Technik oder der Mobiltelefone werden beispielsweise seltene Erden und bestimmte Metalle verwendet, die teilweise aus Konfliktregionen stammen, wo sie unter unmenschlichen Bedingungen und mit Kinderarbeit abgebaut werden. Auch die Netztechnik und die Funkmasten tauchen eher negativ in der Klimabilanz des Start-ups auf.

Auch die großen Anbieter wie Telekom, Vodafone und Telefonica machen Anstrengungen, nachhaltiger zu werden. Die Telekom will bis 2021 den gesamten Stromverbrauch auf erneuerbare Energien umstellen und bis 2030 seine Emissionen um 90 Prozent senken.