Zusammenbrechende Leitungen, Funklöcher, keine Verbindung: Beim Thema Handyempfang fühlen wir uns oft 20 Jahre zurück in die Vergangenheit gebeamt. Glauben wir den Netz-Betreibern, dann täuscht uns dieses Gefühl.

Telekom, Vodafone und Telefónica beteuern, dass die Netzabdeckung in Deutschland zumindest für Sprachkommunikation zwischen "99 und 100 Prozent" liege. Die CDU in Sachsen-Anhalt wollte jetzt mal wissen, ob das stimmt, und hat eine Aktion gestartet, bei der Bürger via App Funklöcher melden können.

"Guckt man sich diese Funkloch-Karte von Sachsen-Anhalt an, sieht das aus wie beim großen Kariestest: Alles rot!"
Martina Schulte, Deutschlandfunk Nova

Nur eine Woche nach dem Start dieses sogenannten Funklochfinders wurden bereits rund 3.750 Funklöcher gemeldet. Die App zeige, so die CDU-Landtagsfraktion von Sachsen-Anhalt, dass die Empfangsqualität deutlich hinter den Erwartungen der Verbraucher liege. Jetzt seien die Netzbetreiber gefordert, die Empfangsqualität zu verbessern.

Das Ergebnis deckt sich mit einer ähnlichen Aktion in Niedersachsen im Frühjahr diesen Jahres. Dabei hatte die CDU in Niedersachsen innerhalb eines Monats gleich 8.000 Funklöcher entdeckt. Verbesserungen des Mobilfunkempfangs hat es dort nach Recherchen unserer Netzreporterin seitdem noch nicht gegeben. 

Diese Funklochfinder dienen den Politikern vor allem dazu, den Netzbetreibern konkrete Zahlen vorlegen zu können. Damit wollen sie den Druck auf die Netzanbieter erhöhen, die Funklöcher zu schließen. Auch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer plant noch in diesem Jahr eine bundesweite Melde-App für Funklöcher.  

"Damit die Funklochmelderei nicht nur Aktionismus bleibt, müssen aber auch Taten folgen."
Martina Schulte, Deutschlandfunk Nova

Im Frühjahr 2019 wird der Bund die Frequenzen für den neuen Mobilfunkstandard 5G versteigern. Hier hat Verkehrsminister Scheuer den drei großen Anbietern Telekom, Vodafone und Telefónica einen Deal angeboten. Wenn sie versprechen, 99 Prozent der Haushalte bis 2021 mit einem einigermaßen flotten Netz zu versorgen, will ihnen der Bund bei der Versteigerung 5G-Frequenzen entgegenkommen. 

Das große Winken mit der 5G-Mohrrübe

Die Frage ist, ob die Betreiber sich an so ein Versprechen hinterher auch halten. Am 24. September wird die Bundesnetzagentur ihre Vergabe-Bedingungen für die 5G Frequenzen vorstellen. 

Das Handelsblatt hat schon vorab herausgefunden, dass es keine weitgehenden Auflagen zum flächendeckenden Ausbau des 5G-Netzes geben wird. Also genau das, was die CDU in Sachsen-Anhalt oder Niedersachsen gerade mit ihrer App-Aktion fordern, das steht nicht drin.

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