Mit dem Bus zur Uni oder zur Arbeit, mit der Straßenbahn zum Einkaufen – für viele sind öffentliche Verkehrsmittel Alltag. Allerdings lassen sich Unterschiede zwischen den Geschlechtern feststellen. Das zeigt eine neue Studie.

Wer sich wie durch die Stadt bewegt, das unterscheidet sich. Alter spielt dabei eine Rolle. Und das Geschlecht auch. Männer zwischen 25 und 50 Jahren machen den geringsten Teil der Fahrgäste im ÖPNV aus. Frauen in dem Alter hingegen nehmen oft den ÖPNV und ältere Menschen auch. Das zeigt eine neue Fahrgastanalyse der Stadt Koblenz.

Stadtplanung berücksichtigt eher Arbeitswege

Anke Kläver ist Mobilitätsforscherin am Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) in Potsdam und hat sich mit den Unterschieden beschäftigt. Sie erklärt, der Grund, warum Männer zwischen 25 und 50 so einen geringen Teil der Fahrgäste ausmachen, liege daran, dass Männer im Laufe des Tages weniger Wege zurücklegen. "Die Strecken der einzelnen Wege sind aber in der Regel länger und werden überwiegend mit dem Auto zurückgelegt", sagt sie.

Das unterschiedliche Mobilitätsverhalten ergebe sich vorrangig aus dem Zweck der zurückgelegten Wege. "Und diese Zwecke sind gesellschaftlich zugeschrieben, also es geht eben darum, dass das unterschiedliche Mobilitätsverhalten Resultat ist sozialer Rollenzuschreibungen und gesellschaftsspezifischer Arbeitsteilung", so Kläver.

Männer arbeiten im Vergleich häufiger in Vollzeitjobs und nehmen damit den Weg zur Arbeit und wieder zurück. Im Vergleich dazu arbeiten Frauen häufiger in Teilzeitjobs, in Pflegeberufen und auch in der Familie kümmern sich Frauen häufiger um Kinder oder auch um ältere Menschen. Sie legen deswegen innerhalb eines Tages oft mehrere kürzere Wege zurück. Sie bringen Kinder zur Kita oder zur Schule, kümmern sich um Einkäufe oder begleiten ältere Menschen zum Arzt.

"Ich glaube, diese Normalität, dass das Auto eine Selbstverständlichkeit ist. Das muss auf jeden Fall aufgehoben werden, gerade eben vor dem Hintergrund der enorm ökologischen und sozialen Probleme, die mit dem Auto einhergehen."
Anke Kläwer, Mobilitätsforscherin

Anke Kläver erklärt, dass in der Stadtplanung bisher wenig berücksichtigt wird, wer eigentlich welche Wege zurücklegt. Die Städte sind insgesamt sehr auf das Auto ausgerichtet, auf erwerbstätige Menschen und auf ihre Wege zur Arbeit. Die Wege zum Arzt oder zur Kita spielen in der Verkehrsplanung eine untergeordnete Rolle. Und das müsse sich ändern.