In den Innenstädten kann es schnell sehr voll werden, wenn Tausende Menschen von einem zum anderen Ort gelangen wollen. Ein Forschungsteam hat nun eine Formel entwickelt, mit der sich Bewegung von Menschen in einer Stadt vorhersagen lässt.

Vorhersagen, wie und wohin sich Menschen in großen Städten bewegen, das kann derzeit nicht nur sehr wertvoll für die Pandemieforschung sein, sondern auch in Zukunft bei der Planung des öffentlichen Verkehrs.

Forschende haben dazu nun in der Fachzeitschrift Nature eine Art neues Gesetz vorgestellt. Dieses Naturgesetz, das die Forschenden "Universal Visitation Law of Human Mobility" nennen, besteht aus einer mathematischen Formel, die sich auf alle Städte der Welt anwenden lassen soll.

Externer Inhalt

Hier geht es zu einem externen Inhalt eines Anbieters wie Twitter, Facebook, Instagram o.ä. Wenn Ihr diesen Inhalt ladet, werden personenbezogene Daten an diese Plattform und eventuell weitere Dritte übertragen. Mehr Informationen findet Ihr in unseren  Datenschutzbestimmungen.

Mit der Formel lässt sich die Beziehung zwischen einem Ort und der Häufigkeit von Besuchern. Anders gesagt: Wie viele Leute aus dem Stadtteil X beispielsweise in einem Monat in einer Stadt zum Flughafen oder ins Einkaufszentrum fahren. Die Forschenden bezeichnen diesen Wert als die Trip-Frequency.

Entfernung und Häufigkeit als Parameter

Die Trip-Frequency hängt laut des Forschungsteams von zwei Faktoren ab:

  1. Wie weit ein Zielort entfernt ist. Denn je weiter ein Einkaufszentrum von Bewohnerinnen und Bewohnern entfernt ist, desto seltener suchen sie es auf
  2. Wie oft Menschen generell einen bestimmten Ort aufsuchen

Ein Beispiel: Das Bürgeramt muss jede Person irgendwann einmal aufsuchen. Häufig aufgesucht wird es aber nur von den wenigen Menschen, die dort arbeiten.

Datenschatz von Smartphones

Auf die Formel konnten die Forschenden mit Hilfe eines relativ neuen Datensatzes von anonymisierten Bewegungsdaten von Smartphones kommen. Da vor allem in Städten die Funkzellen sehr klein sind, kann man sehr genau sehen, wohin Menschen unterwegs sind. Mit den Daten von Städten rund um den Globus wie Boston, Lissabon, Dakar oder Singapur haben die Forschenden erkannt, dass sich die Bewegungsmuster kaum unterscheiden. Daraus entstand die Formel.

"Die Forschenden haben diese Daten für mehrere Städte ausgewertet, da waren Boston, Lissabon, Abidjan, Dakar und Singapur darunter. Und in allen zeigten sich die gleichen Bewegungsmuster."
Veronika von Borries, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Da im ländlichen Raum Distanzen meist eine ganz andere Rolle spielen, müssen die Forschenden die Nutzbarkeit ihrer Formel dafür noch testen. Eine weitere Schwierigkeit: Das Forschungsteam ist in der Studie davon ausgegangen, dass Menschen immer nur einen Trip machen – also von zu Hause zum Supermarkt und wieder zurück.

Formel passt nicht perfekt

In der Realität sieht es allerdings oft anders aus. Viele Menschen fahren auf die Arbeit, gehen nach der Arbeit noch ins Fitnessstudio oder einkaufen. Die Formel ist also noch nicht ganz perfekt, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Veronika von Borries, sie biete aber eine sinnvolle Ergänzung zu den bereits bestehenden Modellen von Mobilitätsberechnung.