Da kauft man sich eine Hose, zieht sie gleich an und möchte das Handy in die Hosentasche stecken – doch das geht nicht, denn die Tasche ist zugenäht. Dieser Kniff soll uns unter anderem vor einem Outfit-Fail schützen.

Grundsätzlich kommt die Tradition der zugenähten Tasche aus der Herrenkonfektion, sagt Grit Seymour, Modedesignerin und Professorin an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin. Damit die Taschen beim Transport, aber auch bei der Anprobe und beim ersten Tragen nicht ausbeulen, werden sie meist per Hand mit ein, zwei Stichen zugenäht. Das ist übrigens nicht nur bei Taschen so, sondern auch bei Rock-, Knopf,- oder Ärmelschlitzen.

"In der klassischen Herrenkonfektion ist es schon seit jeher Gang und Gäbe, dass Taschen zugenäht werden, damit sie im Transport, bei der Anprobe und beim ersten Tragen nicht ausbeulen und ausleiern."
Grit Seymour, Professorin an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin

Es gibt aber noch weitere Gründe, warum die Taschen von Hosen, Blazern oder Jacken manchmal nur so tun, als wären sie Taschen.

Taschen als Attrappe

Häufig bedienen die Taschen nur unsere Sehgewohnheiten, erklärt Grit Seymour und sind ein reines Stilelement ohne weitere Funktion. Denn wir haben uns teilweise einfach daran gewöhnt, dass beispielsweise ein Blazer nur ein Blazer ist, wenn er auch Taschen hat.

Das Bewahren vor dem Fashion-Fail

Zugenähte Hosentaschen können aber noch einen dritten Grund haben: Sie sind ein freundlicher Hinweis der Designerin oder des Designers, dass fette Geldbeutel oder Handys in den Taschen unserer Figur in der sonst hautengen Jeans nicht gerade schmeicheln, erklärt Grit Seymour.

"Wenn man in der Hosentasche ein großes Handy oder ein Portemonnaie unterbringt, schmeichelt das nicht unbedingt der Figur. Und da werden eben unter anderem auch die Taschen zugenäht, um so einem Problem vorzubeugen."
Grit Seymour, Professorin an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin

Ganz anders ist das bei Funktionsklamotten, die ganz bewusst Taschen haben, in die viel reinpassen soll. Diese "Blasebalgtaschen" haben sogar meistens noch ausdehnbare Falten und sind deutlich variabler in Weite und Breite, erklärt Grit Seymour.

Wem die Funktion der Tasche wichtiger ist als die eigene Silhouette, der kann die Taschen natürlich auftrennen. Deshalb sind sie oft nur mit ein paar wenigen Stichen zugenäht, damit die Trägerin selbst entscheiden kann, wie sie ihre Hosentasche benutzen möchte.