Passende Kleidung zu finden kann sehr herausfordernd sein, besonders für Menschen, die Proportionen oder Anforderungen außerhalb irgendwelcher Normen haben. Im Netz gibt es nun Anbieter, die maßgeschneiderte Klamotten anbieten, mithilfe einer neuen Methode.

Da ist zum Beispiel das Angebot eines japanischen Unternehmens. Dort erfolgt die Vermessung via App, und das geht so: Die Kundinnen und Kunden, die hier maßgeschneiderte Kleidung bestellen möchten, lassen sich im ersten Schritt einen speziellen Anzug nach Hause schicken. Dieser ist hauteng, auf seiner Oberfläche befinden sich weiße Punkte, die bei der Vermessung helfen.

Im zweiten Schritt laden sich die Kunden eine App herunter, ziehen den Anzug über und drehen sich bei gestarteter App um ihre eigene Achse. So entstehen 12 Fotos. Danach ist die Kundin oder der Kunde vermessen und kann aus den Shirts oder Hosen im Onlineshop wählen – mit dem Unterschied, dass die bestellte Kleidung dann perfekt nach den entsprechenden Maßen angefertigt wurde. Das verspricht zumindest der Hersteller.

"Die Geschichte mit der App ist grundsätzlich ein gutes Mittel, um selbstständig und alleine da ganz gut auszumessen."
Theresa Wisgalla, Designerin an der Leipzig School of Design

Theresa Wisgalla ist Designerin an der Leipzig School of Design. Sie sagt, dass sie insbesondere die Methode der Vermessung gut findet. Denn ihrer Ansicht nach ist die Vermessung über die in den Anzug eingearbeiteten Punkte einfacher und sicherer als bei anderen Verfahren. Grundsätzlich sei die App eine gute Möglichkeit, auf die eigenen Proportionen Rücksicht zu nehmen, so Theresa Wisgalla. Eine Alternative zum Handwerk einer Modedesignerin oder eines Schneiders sieht die Designerin darin aber nicht.

App als Hilfestellung bei besonderen Ansprüchen

Tatsächlich hätten Personen, die nicht den gängigen Proportionsvorstellungen der Modeindustrie entsprächen, teilweise große Probleme. Trage eine Person Größe XL, so könne diese Person zum Beispiel groß und schlank sein – oder aber klein und korpulent. Für Menschen mit diesen Proportionen sei die App daher eine gute Lösung, um an Kleidung zu kommen, die richtig gut passe.

Verschiedene Marken haben verschiedene Zielgruppen, sagt Theresa Wisgalla – dementsprechend fallen auch die Größen je nach Marke verschieden aus. Hinzu käme, so die Designerin, dass die Schnitte und Formen auch vom Herstellerland abhängig seien: Während in Skandinavien zum Beispiel lässigere, weite Schnitte gefragt seien, orientierten sich in Südeuropa die Labels eher an körperbetonten, engen Schnitten.

Qualität muss nicht unbedingt besser sein

Die Qualität maßgeschneiderter Kleidung ist nicht automatisch besser, sagt Theresa Wisgalla. Ihrer Meinung nach gebe es sehr viele Marken, die ihren Fokus auf hochwertige Qualität und Verarbeitungen legten. Deshalb könnten wir auch bei Kleidung von der Stange fündig werden.

"Man kann auch von der Stange durchaus fündig werden und Klamotten finden, die einem sehr gut passen."
Theresa Wisgalla über Qualität von der Stange

Als Kunden sollten wir uns überlegen, bei welchem Kleidungsstück die Passform eine besonders wichtige Rolle einnehme, schließt Theresa Wisgalla. Dabei sei diese Anforderung bei einem T-Shirt sicher eine andere, als bei einem Maßanzug.