Michelle Hunziker heiratet Tomaso Trussardi - und damit den Erben einer Mode-Ikone der Neunziger. Aber wer gibt in der Fashion-Szene eigentlich im Jahr 2014 den Ton an?

Nicht nur in den Klatschblättern ist es heute überall zu lesen: Promi-Hochzeit! Michelle Hunziker und Tomaso Trussardi geben sich das Ja-Wort. Trussardi ist der Erbe des Luxus-Mode-Labels Trussardi. Daher wollten wir wissen: Lohnt sich diese Hochzeit auch modetechnisch? Oder hätte sich Michelle dafür besser jemand anderen angeln sollen?

Trussardi, das verbinden Modekenner mit Leder. Zumindest, die Fashion-Victims, die den Modezirkus schon einige Zeit verfolgen. Auch bei der Modejournalistin Gesine Kühne, war der erste Impuls beim Stickwort Trussardi "Hey, die kenne ich ja noch aus den Neunzigern." Die große Zeit des Labels startete Ende der Achtziger. In den Neunzigern gingen die Geschäfte dann durchs Dach - vor allem in Asien und Europa. Es folgten einige Unterlabels wie Trussardi Sport, die dafür sorgten, dass auch die Fußgängerzonen zum Trussardi-Catwalk mutierten. Zur Jahrtausendwende kam dann die Krise der Luxuslabels, die auch Trussardi voll erwischte. Seitdem habe das Label modisch keinen großen Einfluss mehr, sagt Gesine Kühne.

Ein Hauch Skandinavien

Wobei das nicht unbedingt so bleiben muss. Denn die aktuelle Kollektion überzeugt die Modejournalistin: klare Linien, ein Hauch Skandinavien, weite Hosen, coole Einteiler. Und klar: Die Key-Pieces sind weiterhin aus Leder. Ob schnörkellose Bikerjacken oder ganze Lederensembles - Gesine Kühne ist begeistert.

"Als die Interview-Anfrage kam, dachte ich: Hey, Trussardi kenn' ich ja noch aus den Neunzigern. Wusste ich gar nicht, dass die modisch noch relevant sind. Und ehrlich: Sind sie auch nicht."
Gesine Kühne, Modejournalistin

Jetzt muss es nur noch die breite Masse mitbekommen, dass Trussardi kein Fall mehr für die Altkleidersammlung ist. Denn klar ist: Die Trends setzen im Jahr 2014 andere. Unangefochten an der Spitze: Karl Lagerfeld mit Chanel. Der Trick der Mode-Ikone: Trends von der Straße aufgreifen und sie wieder unfreiwillig auf die Straße zurückspiegeln. Weil in den Fußgängerzonen die billigen Chanel-Kopien flanieren.

Luxuslabels keine Trendsetter mehr

Grundsätzlich sind die Luxuslabels aber nicht mehr die Trendsetter. Viel einflussreicher sind sogenannte Zwischenlabel. Gesine Kühne fällt da als erstes Acne ein. Nicht zu verachten sei aber Louis Vuitton, wo seit 16 Jahren Marc Jacobs das Sagen hat. Seit seiner Regentschaft gilt: Auch Mensch unter 50 können Louis Vuitton tragen, wenn sie irgendwo das nötige Kleingeld auftreiben können – und keine Tasche wird öfter kopiert als die braunen Dinger mit dem charakteristischen Logo. Die Louis-Vitton-Mutter LVMH hat auch wirtschaftlich im Modegeschäft das Sagen. Zur Traumhochzeit von Louis Vuitton und Moët Hennessy gehören mittlerweile auch Kenzo oder Dior.