Je länger die Geschäfte wegen der Pandemie-Maßnahmen geschlossen bleiben, desto mehr geraten auch Modeläden an den Rand ihrer Existenz. Die Winterkleidung kann nicht verkauft werden und liegt wie Blei in den Regalen. Trotzdem wird weiter Ware produziert – und geliefert.

Seit vier Jahren hat Carolin Dunkel ihren Modeladen in Berlin Mitte. Doch in den letzten Wochen und Monaten konnte sie nur wenig Kleidung verkaufen, weil sie ihr Geschäft wegen der Pandemie-Maßnahmen immer wieder schließen musste.

Click-and-collect

Zwar ist sie täglich in ihrem Laden, aber ihr Fokus hat sich komplett verschoben, denn Kundschaft kommt zurzeit keine mehr.

Click-and-collect heißt die neue Devise, die Carolin Dunkel und viele andere Ladenbesitzer noch über Wasser hält. Viele Shops bieten diesen Service inzwischen an. Kunden und Kundinnen können auf diversen Kanälen bestellen und holen dann die Ware an der Ladentüre ab oder bekommen sie sogar nach Hause geliefert.

Kundenbindung durch Instagram

Carolin gelingt es dank ihrer 24-stündigen Erreichbarkeit und ihrer stetigen Präsenz auf Instagram, die Bindung zu ihren Stammkundinnen zu halten, mit denen sie noch ihre Existenz sichern kann, erzählt sie Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Magdalena Bienert.

Wenn ich auf Instagram nichts mache, passiert auch nichts. Ich muss immer kreativ und produktiv sein."
Carolin Dunkel, Besitzerin eines Modegeschäfts

Obwohl die Geschäfte wenig verkaufen, wird viel Neues produziert

Obwohl die Läden geschlossen bleiben müssen, wenig Ware verkauft wird und ihre Lager voll sind, wird viel Neues geliefert. Beispielsweise gibt es alle drei Monate eine Zwischenkollektion, berichtet die Ladenbesitzerin Carolin.

Verträge zwischen Modelabels und Ladenbesitzern

Sie sagt von sich selbst, dass sie nachhaltig einkaufe, allerdings ist sie auch an Verträge gebunden: Manche Labels weigern sich Abnehmer zu beliefern, wenn die Ladenbesitzer ihnen nicht die vertraglich zugesicherte Mindestmenge abkaufen. Lediglich eine Marke habe Kleidung ausnahmsweise wieder zurückgenommen, sagt Carolin Dunkel.

Große Kaufhäuser könnten es sich sich gar nicht leisten, nachhaltig einzukaufen, so wie sie als Ladenbesitzerin. Beispielsweise habe der KaDeWe bereits im Oktober die Winterware mit einem Preisnachlass von 20 Prozent verkauft, obwohl die Kleidung erst im September und Oktober geliefert worden sei, sagt Carolin Dunkel.

"Ich kaufe schon nachhaltig ein, also nicht viel, ich bestelle lieber nach. Das können große Läden so gar nicht machen, da bleibt unheimlich viel im Lager hängen."
Carolin Dunkel, Ladenbesitzerin

Peter Heckmann führt drei Modegeschäfte im Westmünsterland. Mitte Januar hat er per Youtube einen Aufruf an die Bundesregierung gestartet, um auf die Misere in seiner Branche hinzuweisen. Er beschäftigt 60 Mitarbeitende und hat sich bisher mit Krediten über Wasser gehalten. Dass sich allein die Zinsen für die Kredite auf 70.000 Euro belaufen, hat der Ladenbesitzer öffentlich gemacht.

"Wir und unsere Partner aus Handel, Industrie und Gastronomie warten und werden in die Insolvenz verschwinden, wenn sie ihre Aufgaben nicht richtig lösen."
Peter Heckmann, Unternehmer

Der Modeunternehmer hat einen konstruktiven Vorschlag: Ein Teil der überschüssigen Ware könnte an bedürftige Menschen gespendet werden. Bisher lohnt sich das für die Inhaberinnen und Inhaber von Modeläden aber nicht, weil auch für die gespendete Ware die Umsatzsteuer fällig werde.

Zurzeit ist es also günstiger, die Kleidung zu vernichten, als sie zu spenden. Das ist einer der Punkte, bei denen der Modehändler eine Anpassung durch die Regierung fordert.