Seit den Anschlägen in Frankreich 2015 gilt der Brüsseler Stadtteil Molenbeek als Dschihadisten-Hochburg. Jetzt will er sein schlechtes Image loswerden.

Der kleine Brüsseler Stadtteil Molenbeek war 2015 ständig in den Medien. Abdelhamid Abaaoud, der die Anschläge von Paris 2015 plante, stammte wie seine Brüder aus Molenbeeek. Salah Abdeslam, Hauptverdächtiger der Terroranschläge in Paris, wurde in Molenbeek gefasst. Wie sieht es ein paar Jahre später in diesem Stadtteil aus? Das wollte unser Reporter Burkhard Birke wissen. Er hat mit Menschen dort gesprochen. Viele hätten am liebsten gar nicht darüber geredet, sagt er.

"Man merkt, dass die Bewohner in Molenbeek das Terror-Kapitel abschließen wollen."
Burkhard Birke, Deutschlandfunk-Reporter

Der Brüsseler Stadtteil Molenbeek hat 100.000 Einwohner. Mehr als 100 verschiedene Nationalitäten leben dort zusammen. Der Stadtteil ist getrennt durch einen Kanal: Auf der einen Seite leben vorwiegend Menschen, die aus Afrika stammen, die andere Seite ist eher arabisch geprägt, sagt Burkhard Birke. "Die Mehrheit hier ist arabisch-stämmig."

Die Menschen leben in Molenbeek sehr eng aufeinander - Wohnraum sei eins der Problemfelder, die angegangen werden müssen, meint Burkhard Birke. Weil die Mieten vergleichsweise billig sind, sei Molenbeek immer wieder Anlaufpunkt verschiedener Einwanderungswellen. Zuletzt seien viele Rumänen und Syrer gekommen.

Molenbeeks großes Problem sind die Hinterhofmoscheen

Zwar werden in Molenbeek derzeit unter anderem mit Mitteln der EU Sozialwohnungen gebaut, das sei aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein, so Burkhard Birke. Auch das Begegnungszentrum, das derzeit gebaut wird, mit Kindertagesstätten und Kinderzirkus, werde sicherlich Entspannung bringen - das sei aber erst in drei bis vier Jahren fertig. Molenbeeks größtes Problem seien die vielen inoffiziellen Moscheen, sagt Burkhard Birke.

"In Molenbeek gibt es 30 Moscheen. Nur fünf sind offiziell anerkannt. Was in den Hinterzimmern der anderen 25 Moscheen gepredigt und an Radikalismus verbreitet wird, entzieht sich jeder staatlichen Kontrolle."
Burkhard Birke, Deutschlandfunk-Reporter

Die Polizei in Molenbeek sei nicht ausreichend ausgestattet, erklärt Burkhard Birke. Es fehlten rund 200 Beamte: "Das ist eigentlich ein Skandal." Dass aus Molenbeek noch einmal ein Attentäter kommt, könne man nicht ausschließen, heißt es.

Der Terror: Das sind nicht wir!

Die Bürger haben nach den Terroranschlägen selbst versucht, Molenbeek wieder ins rechte Licht zu rücken. Der Beigeordnete der Stadt Molenbeek sagt, 2015 seien alle aufgestanden und hätten gesagt: "Das sind nicht wir! Wir sind hier zu 99 Prozent friedlich lebende Menschen, und wir wollen hier was tun."

Diverse Initiativen von Privatleuten richten sich vor allem an Schüler und Jugendliche, mit dem Ziel, sie zu motivieren, die Schule und die Ausbildung fertig zu machen. Denn die Jugendarbeitslosigkeit sei ein weiteres Problem in dem Stadtteil - sie liegt bei 30 bis 40 Prozent, so Burkhard Birke.